Meinung
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Nobelpreis-Bingo mit Literaten

Einer wird’s am Ende – alles andere ist hochspekulativ.

Oder? Jedes Jahr derselbe Spaß: Nobelpreis-Bingo mit Hochleistungs-literaten. Nur Amateure setzen sich in den Tagen vor der Bekanntgabe hin, schauen sich bei Ladbrokes und anderen Wettbörsen die Spitzenreiter an und denken, sie könnten sich durch eine schnelle Re- oder Erstlektüre auf die Verkündung vorbereiten.

Derzeit haben die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch und der Japaner Haruki Murakami die besten Wettquoten. Wie im vergangenen Jahr, als dann aber Patrick Modianos Werk nobiliert wurde. Philip Roth ist ebenfalls ziemlich hoch gelistet. Das hat aber ebenfalls nichts zu sagen, denn Philip Roth zählt schon seit 1933, seinem Geburtsjahr, zu den Favoriten.

Am Ende wird es doch immer jemand ganz anderes, man kann noch nicht einmal auf einen Kontinent setzen oder einen Sprachkreis. Die Jury, die diesen Donnerstag in Stockholm in Person Peter Englunds, des sogenannten „ständigen Sekretärs“ der schwedischen Akademie, vor die Weltpresse tritt, die berühmt-berüchtigte – sie wird einen Namen verkünden, den man sicherlich schon gehört hat. Aber auf einem Buch in der Privatbibliothek steht er eher nicht.

Sehen auch wir professionellen Leser es so: Der Literatur-Nobelpreis ist vor allem eine erstklassige Möglichkeit, unbekannte Autoren zu entdecken, also eine rundum lohnenswerte Sache!