Meinung
Matz ab

HSV vs. Hertha: Das Große Wiedersehen

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Foto: Andreas Laible / HA

Lasogga und Olic – in der Hauptstadt könnten es die Hamburger Stürmer ihrer früheren Mannschaft zeigen. Doch Zweifel sind angebracht.

Dem aufmerksamen HSV-Fan wird es sicher aufgefallen sein: Wenn die Rothosen in der Bundesliga um Punkte kämpfen, gibt es oft ein Wiedersehen mit ehemaligen Spielern, die dann beim Gegner voller Tatendrang zu Werke gehen.

Und fast so oft, das ist vielleicht ein Hamburger Phänomen, auf jeden Fall aber ist es kurios, treffen die ehemaligen Hamburger auch gegen „ihren“ HSV. Es mag bei anderen Clubs ähnliche Konstellationen geben, aber HSV-Anhänger sind in dieser Beziehung leidgeprüft. Ehemalige, so hat es den Anschein, erzielen offenbar mit Vorliebe Tore gegen ihren „Ex“.

Allein in der vergangenen Saison gab es viele Belege dafür. Und ganz schmerzliche Erinnerungen werden ausgerechnet mit Berlin verknüpft, denn in beiden Spielen gegen Hertha BSC, dem morgigen HSV-Gegner, trafen frühere Hamburger bei den Erfolgen des Hauptstadt-Clubs.

Für die „alte Dame“ hat der frühere Hamburger Änis Ben-Hatira nicht wirklich viele Tore geschossen, aber er traf am 25. Oktober 2014 gleich zweimal – beim 3:0-Sieg der Hertha. Und im Rückspiel am 20. März 2015 schoss der frühere HSV-Spieler Sebastian Langkamp, der nur kurz beim HSV spielte (2007 bis 2008 – ohne Bundesliga-Einsatz) den 1:0-Siegtreffer für Berlin.

Es gibt weitere Beispiele: Frankfurts Alexander Meier schoss beide Tore zum 2:1 der Frankfurter gegen den HSV (28. Februar 2015), Ivica Olic traf zum 1:0 für Wolfsburg am 9. November 2014, Wolfsburg bezwang den HSV 2:0. Und die beiden Hamburger Max Kruse und Martin Harnik (beide einst in der Jugend von Vier- und Marschlande) schossen den HSV ebenfalls gern und fast wollüstig ab. Kruse traf zum 1:0-Sieg der Gladbacher (am 24. September 2014), und Harnik schoss den 2:1-Endstand für seinen VfB Stuttgart gegen den HSV heraus – am 16. Mai 2015. Daten, die innerhalb von nur einer Saison Bände sprechen.

Morgen tritt der HSV in Berlin an. Mit den beiden früheren Hertha-Stürmern Ivica Olic und Pierre-Michel Lasogga. HSV-Fans würden sicherlich viel, sehr viel sogar, dafür geben, wenn diese Hamburger den Spieß endlich einmal umdrehen würden. Wobei im Moment, da muss der Dino-Fan realistisch sein, nicht viel dafür spricht, dass es tatsächlich so kommen wird.

Lasogga hat nach seinen beiden Leistungs-Explosionen gegen Stuttgart (3:2) und Mönchengladbach (3:0) wieder eine schöpferische Pause eingelegt, und Olic, der am 14. September 36 Jahre alt geworden ist, spielt in den Überlegungen von Trainer Bruno Labbadia keine allzu große Rolle mehr.

Schade eigentlich, denn Dauerrenner Olic hat immer dann, wenn er im HSV-Trikot auf dem Rasen stand, stets 100 Prozent abgerufen, er hat sich schlichtweg aufgeopfert für seine Mannschaft. Diese Zeiten aber gehören nun offenbar der Vergangenheit an, das Zutrauen zum Stürmer-Oldie, der wegen seiner unorthodoxen Spielweise für Freund und Feind stets schwer ausrechenbar war, scheint gewaltig zu bröckeln – wenn es überhaupt noch in Fragmenten vorhanden sein sollte.

Obwohl morgen? Wo doch Frau Olic in Berlin geboren wurde? Und wo sich der kroatische Nationalspieler doch ganz sicher noch einmal beweisen will ... Vielleicht wäre Bruno Labbadia klug beraten, Olic doch noch einmal eine Chance einzuräumen?

Eventuell auch erst dann, wenn mit Lasogga die Null vorne wieder etwas zu lange Bestand hat? An dem bulligen HSV-Torjäger, zehn Jahre jünger als Olic, scheiden sich ohnehin die Geister. Er scheint, ähnlich wie einst Heiko Westermann, das HSV-Fanlager in Gegner und Befürworter zu spalten. Lasogga hat dabei aber einen entscheidenden Vorteil: Der frühere Torjäger Bruno Labbadia, der einst auch Durststrecken zu durchlaufen hatte, schenkt seinem heute oft glücklosen Stürmer volles Vertrauen. Vielleicht fruchtet es ja morgen wieder.

Und wenn nicht: Mit Jaroslav Drobny steht ein ehemaliger Herthaner zwischen den Pfosten des HSV-Tores. Dann muss der Tscheche eben dafür sorgen, dass auch hinten die Null steht.

Die HSV-Kolumne Matz ab erscheint auch täglich im Internet unter www.abendblatt.de/matz-ab.