Meinung
Leitartikel

Salafistische Gefahr in Hamburg

Matthias Iken

Matthias Iken

Foto: Reto Klar

Die Propaganda der Steinzeit-Islamisten in Hamburg wird immer dreister.

Gäbe es eine Auszeichnung für Zivilcourage, diese Hamburger hätten sie gleich doppelt verdient. Die Ehrenamtlichen, die derzeit in den Hamburger Messehallen die Flüchtlinge betreuen, haben Salafisten vor die Tür gesetzt. Diese hatten sich dorthin gewagt, nicht um den Menschen vor Ort zu helfen, sondern um diese zu radikalisieren. Es zeigt, wie selbstbewusst die Steinzeit-Islamisten inzwischen in der Bundesrepublik unterwegs sind. Sie mittelalterlich zu nennen, wäre übrigens unangemessen – in jenen Zeiten galt der Islam als sehr tolerant.

Toleranz aber lehnen die Salafisten des 21. Jahrhunderts radikal ab. Sie verstehen sich als Verfechter eines aus ihrer Sicht ursprünglichen und unverfälschten Islams und dulden neben den Bestimmungen aus dem Koran keine anderen Regeln, sie teilen ihre beschränkte Welt in Gläubige und Ungläubige. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Gleichstellung von Homosexuellen, das alles halten sie für Teufelswerk.

Mit Berufung auf die Religionsfreiheit machen sie seit Längerem für ihren Irrglauben mobil. Selbst auf der Schwulenparade, dem Christopher Street Day, verteilten sie auf der Reesendammbrücke eifrig den Koran. Der Verfassungsschutz hat allein 200 Stände der Salafisten in den vergangenen beiden Jahren in Hamburg gezählt. Diese vermeintlich harmlosen Info­tische zählen inzwischen zu einer Quelle der Mobilisierung von Kämpfern für die Terrorgruppe „Islamischer Staat“. All das muss man wissen, wenn man die freundlichen Zauselbärte beim nächsten Mal in der Innenstadt trifft. Vor allem sollte man die salafistische Gefahr nicht länger unterschätzen. Sie mögen einen Steinzeit-Islam predigen, aber das tun sie mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Geschickt gehen sie bis an die Grenzen des Rechtsstaates, wohl wissend, dass etwa Bezirksämter Infostände kaum verbieten können. Sie klagen sogar vor Gericht gegen den Entzug von Reisepässen und loten bei ihrer Propaganda das gerade noch grundgesetzlich Erlaubte maximal aus. Auch wenn nicht alle Salafisten gewaltbereit sind, geht von der Bewegung laut Bundesinnenministerium „eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus“.

Besonders geschickt nutzen sie die neuen Medien. Und sie provozieren dort, wo es besonders wehtut – etwa beim Christopher Street Day oder in den Flüchtlingsunterkünften, wo Menschen leben, die vor dem Terror des „Islamischen Staates“ in Syrien und dem Irak geflohen sind. Das Ziel der Islamisten ist klar: die Gesellschaft zu polarisieren, einen Keil zwischen Mehrheitsgesellschaft und Migranten zu treiben. Wie Neonazis säen sie Hass und schaden damit allen Muslimen. Und noch eines haben Salafisten mit Rechtsextremisten gemeinsam: Sie rekrutieren ihren Nachwuchs vor allem bei den Gescheiterten, Gestrauchelten, Haltlosen.

Es verwundert, mit welcher Ruhe viele Deutsche dem Treiben noch zusehen. Sie reden die Gefahr hierzulande klein, vermutlich auch, weil es noch keinen schweren Anschlag auf deutschem Boden gab. Das aber ist eine sehr nationale Sichtweise des Terrorismus: Mehrere Bundesbürger haben als Selbstmordattentäter Unschuldige in den Tod gerissen – nicht in Berlin oder Köln, aber in Bagdad und Kabul.

Deutsche Islamisten töten längst. Deshalb muss die Gesellschaft ihnen konsequenter entgegentreten – an Schulen, in den Moscheen, in der Gesellschaft und eben auch in Flüchtlingsheimen. Es wäre an Perversion nicht zu überbieten, wenn islamis­tische Rattenfänger ausgerechnet unter den Opfern des Terrors neue „Gotteskrieger“ anwerben würden.