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Zwischen Hamburg und Berlin

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider

Foto: Andreas Laible / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen seit Längerem eine E-Mail-Freundschaft, die wir an jedem Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Schwennicke: Lieber Lars, heute fange ich mal an zu fragen, wenn Du erlaubst: Hast Du unsere Meldung zum neuen Mann von Olaf Scholz gesehen?

Haider: Ja, Ihr wagt die interessante These, dass sich Olaf Scholz mit SPD-Sprecher Steffen Hebestreit einen Mann in seinen Stab holt, der ihm bei der Bundestagswahl 2021 gute Dienste leisten könnte. Soll heißen: Ihr glaubt bei „Cicero“ halt doch, dass unser Bürgermeister noch einmal Kanzler(kandidat) wird.

Schwennicke: Sollte ich das etwa in irgendeiner Umnachtung schon mal bestritten haben? Als Wahlkämpfer könnte er schon noch ein bisschen aufsatteln, also konkret als Redner: Da hat er sich gestern beim Empfang zu 50 Jahre Gruner & Jahr im Hamburger Rathaus eine Art rhetorischen Unterbietungswettbewerb mit Julia Jäkel geliefert.

Haider: Ihr Berliner seid ja nur neidisch auf unsere seriösen Hamburger Politiker und Kaufleute, die nicht viel reden, sondern machen! Also, Du legst Dich fest: Scholz lässt Gabriel in zwei Jahren antreten, eröffnet in aller Ruhe die Elbphilharmonie, freut sich über die Vergabe der Olympischen Sommerspiele an Hamburg und plant dann den nächsten Karriereschritt Richtung Kanzleramt? Ich befürchte, wenn der Bürgermeister das liest, liest er nicht weiter …

Schwennicke: „Scholz lässt Gabriel antreten“ klingt jetzt ein bisschen generös und übersieht die Kleiderordnung. Aber ja: Im Grunde müsste er bangen, schon 2017 ranzumüssen. Das soll Gabriel machen. Dann kommt er. Und zwar so: Parteichefin Nahles, Kanzlerkandidat Scholz. Wie Schröder/Lafontaine in guten Zeiten. Nur mal so als lustvolle Spekulation.

Haider: Kann es sein, dass Du am Donnerstag in Hamburg bei Gruner & Jahr zu lange gefeiert hast? Nein, mal ganz im Ernst: Ob er es nun will oder nicht – die SPD könnte froh sein, wenn sie einen Kanzlerkandidaten Scholz hätte. Und ich glaube, vor niemandem hätte Angela Merkel mehr Respekt. Und rhetorisch ist er ihr auf jeden Fall überlegen, um auch das klarzustellen.