Meinung
Leitartikel

Der Hamburger Hafen ist in Gefahr

Hamburg muss dem Problem der Schlickablagerungen in der Elbe Priorität geben.

Wenn die „Queen Mary 2“ wegen des Hafenschlicks nicht mehr die HafenCity anlaufen kann, dann ist das ein Imageschaden für den Kreuzfahrtstandort Hamburg. Wenn aber auch Handelsschiffe drohen, bei ordentlicher Beladung im Schlick ihrer Hafenbecken hängen zu bleiben, dann geht es um mehr als ein Imageproblem. Dann ist Deutschlands größter Außenhandelsstandort in Gefahr.

Diesen Punkt hat Hamburg offenbar erreicht. Ein Umschlagterminal hat die Hamburg Port Authority verklagt, jetzt endlich sein Hafenbecken auszubaggern, weil es die Schiffe nicht mehr sicher beladen kann. Der Unternehmensverband Hafen Hamburg, spricht davon, dass eine ganze Reihe von Terminalbetreibern wegen der geringen Wassertiefe Schwierigkeiten haben, ihre Schiffe abzufertigen. Sie können sie nur zum Teil beladen und sind auf das enge Zeitfenster des Hochwassers angewiesen, damit die Schiffe sie erreichen können.

Das sind Argumente, die wir so oder ähnlich bereits aus der Diskussion über die Elbvertiefung kennen. Und in der Tat ist das Problem mit dem Hafenschlick dabei, eine ähnliche große Bedeutung für die Zukunft des Hamburger Hafens einzunehmen.

Dabei ist die zunehmende Sedimentablagerung in Hamburg schon lange bekannt. Die Hamburg Port Authority hat bereits vor Jahrzehnten ein Ressort eingerichtet, das sich mit dem Thema befasst – lange bevor das aktuelle Projekt der Elbvertiefung auf den Plan trat.

Die Sedimentablagerungen in der Elbe sind vor allem eine Folge von Ebbe und Flut. Die Elbe transportiert feinkörnige Schwebteilchen aus ihrem Oberlauf stromabwärts Richtung Nordsee. Gleichzeitig bringt aber auch der Flutstrom von der Nordsee her sandhaltigeres Material flussaufwärts. Geht die Flut zurück, lagern sich die Sedimente ab, und zwar da, wo die Strömung besonders gering ist. Das ist besonders in den Hafenbecken der Fall. Auf diese Weise bewegt die Tideelbe Sedimente im Wechsel der Gezeiten hin und her, wobei aber die stromaufwärts bewegten Sedimente den weitaus größeren Anteil ausmachen.

Dieser Effekt verstärkt sich seit Jahren. Umweltschützer machen dafür die letzte Elbvertiefung verantwortlich. Andere sehen den Grund darin, dass die Elbe insgesamt weniger Wasser führt. Tatsache ist aber so oder so, dass die HPA Jahr für Jahr mehr Baggergut aus der Elbe holen muss.

Hamburg hat deshalb zusammen mit Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Schifffahrtsverwaltung des Bundes seit längerer Zeit eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die unter dem Stichwort Sedimentmanagement Auswege aus dem Dilemma suchen soll. Die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, sind revolutionär. Sie reichen vom Rückbau von Deichen, um dem Fluss mehr Raum zu geben, bis hin zu künstlichen Sandinseln in der Flussmündung, die als Barriere den Flutstrom verringern sollen. Erste Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollten ursprünglich Anfang des Jahres vorliegen, jetzt heißt es Ende des Jahres.

Wie auch immer die Lösung aussehen mag: Hamburg muss klar sein, dass sie extrem teuer wird. Bis dahin muss sich die Stadt damit behelfen, Sediment umzulagern. Dabei ist die Vorgabe der Umweltbehörde wenig hilfreich, die eben diese Umlagerung zwischen April und November auf Hamburger Gebiet verbietet.

Es ist richtig, dass die Behörde über die Gewässerqualität wacht und das Sauerstoffloch in der Elbe im Sommer möglichst gering halten will. Wenn das Verbot aber dazu führt, dass Hafenbecken nicht mehr erreichbar sind, bleiben die Reeder irgendwann weg – nicht nur einen Sommer lang.