Meinung
Kommentar

Dispo ist unverschämt teuer

Steffen Preißler

Steffen Preißler

Foto: Ingo Röhrbein / HA

Zu wenig Wettbewerb führt im Zinstief zu hoher Belastung

Verglichen mit anderen Kreditarten ist die Überziehung des Girokontos unverschämt teuer. Viele Konsumgüter werden von Händlern zinslos finanziert. Den Ratenkredit für Anschaffungen gibt es bei der Bank ab drei Prozent, und wer sich 100.000 Euro oder mehr für den Hauskauf leiht, zahlt nicht mehr als zwei Prozent – bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Das ist nicht verwunderlich, haben wir doch die niedrigsten Zinsen seit 5000 Jahren, wie ein englischer Ökonom herausfand.

Doch wer sein Girokonto für einige Tage überzieht, zahlt im Schnitt 10,25 Prozent Zinsen, ermittelte die Stiftung Warentest. Die Geldbeschaffung der Banken bei der Europäischen Zentralbank kostet fast nichts, und Banken, die überschüssige Liquidität bei anderen Instituten parken wollen, bekommen keine Zinsen, sondern müssen dafür noch einen kleinen Obolus bezahlen. Negative Zinsen nennt man das. Wenn Verbraucherschützer deshalb mahnen, der Dispo dürfe nicht mehr als 8,50 Prozent Zinsen kosten, so ist das schon großzügig bemessen.

Die Banken argumentieren gern, dass der Dispo ohne dingliche Sicherheit wie Immobilie oder Auto gewährt wird. Doch mit jedem Gehaltseingang wird zunächst der Dispo ausgeglichen. Die Ausfallquote, über die sich die Banken ausschweigen, mag zwar höher als bei Immobilienkrediten sein, rechtfertigt aber noch lange nicht die hohen Aufschläge gegenüber dem Zinsniveau.

Der Grund für die hohen Zinsen ist der mangelnde Wettbewerb in diesem Segment. Das schließt mangelnde Transparenz ein, wenn ein Drittel der Institute die Konditionen im Internet nicht offenbart. Doch das Girokonto wird nach anderen Kriterien ausgewählt als der Höhe der Dispozinsen. Sie sind zwar hoch, fallen aber relativ – bei einer allmonatlichen Nutzung der Überziehung von rund 1000 Euro mit knapp 100 Euro im Jahr – nicht so ins Gewicht. Die Banken nutzen das Des­interesse der Verbraucher aus. Denn angesichts der Zinssituation ist der Dispo eine der wenigen Ertragsquellen, die noch üppig fließen. Aber für die Verbraucher ist das kein Grund, völlig überzogene Zinsen für die Kontoüberziehung zu zahlen. Die Kunden müssen mehr Wettbewerb einfordern, wenn ihnen die Zinsen zu hoch sind.

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