Meinung
Kommentar

Der Papst hat das Seine für die Umwelt getan

Die Autorin ist seit 2010 internationale Präsi­dentin des WWF. Von 1998 bis 2000 war sie Umweltministerin in Ecuador

Die Autorin ist seit 2010 internationale Präsi­dentin des WWF. Von 1998 bis 2000 war sie Umweltministerin in Ecuador

Foto: Richard Stonehouse

Der Papst hat auf seiner jüngsten Reise Lateinamerika besucht. Im Gepäck hat er die erst vor wenigen Wochen vorgestellte Enzyklika „Laudato Si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Die Botschaft kommt zur rechten Zeit, denn mit dem Generalversammlung der Vereinten Nationen und dem Klimagipfel in Paris stehen in den kommenden Monaten entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft unseres Planeten an.

Wie Franciscus bin ich aus Südamerika. Ich stamme aus Ecuador, neben Paraguay und Bolivien eines der drei Länder, in denen der Pontifex seine dringende Botschaft für einen lebendigen und gerechten Planeten verkündet. Seine Umwelt-Enzyklika bringt die notwendige moralische Dimension in die Nachhaltigkeits- und Klimadiskussion. Auch wenn sich das Oberhaupt der katholischen Kirche an die Gläubigen wendet, verfolgt er das Ziel, dass seine Worte auch bei anderen Religionen und Glaubensbekenntnissen überall auf der Welt Wiederhall finden.

Der Fakt, dass Lateinamerika sein erstes Reiseziel nach der Veröffentlichung von „Laudato Si“ ist, sollte als unmissverständliche Einladung verstanden werden, verstärkt für die Bewahrung unserer gemeinsamen Heimat einzutreten.

In seiner Enzyklika bezeichnet der Papst den Niedergang unserer Umwelt als eine Zerstörung des gemeinsamen Heims. Der Raubbau an der Natur stellt die Existenz des Planeten wie wir ihn kennen ebenso in Frage wie das Überleben der Menschen. Die Umweltzerstörung untergräbt die Rechte der Ärmsten und Verletzbarsten auf ein Leben in Würde genauso wie die Chancen künftiger Generationen.

Der Pontifex spricht in seiner Enzyklika viele Themen an, aber ein Roter Faden, der seine Ideen mit denen des WWF verbindet, ist die Bekämpfung des Klimawandels. Wir können Erfolg haben, wenn wir unsere Solidarität und Nächstenliebe wiederentdecken, indem wir die Verschwendung stoppen und einen Wandel in Konsum und Produktion einleiten. Nur so können wir den Planeten und seine mitreißende Vielfalt bewahren und eine Zukunft in Wohlstand für alle schaffen.

Papst Franziskus ermahnt uns, unser gemeinsames Haus zu respektieren und die Schätze der Erde klug und gerecht zu nutzen. Die Enzyklika gibt uns eine wichtige Basis, um gemeinsam eine Kultur und ein nachhaltiges Denken zu entwickeln. Sie drängt die Regierungen zu einem visionären verantwortlichem Handeln. Das gilt sowohl für die bevorstehende Generalversammlung der Vereinten Nationen, auf der die globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) diskutiert werden als auch für den Klimagipfel in Paris im Dezember.

Das Wirtschaftswachstum in Lateinamerika hat im vergangenen Jahrzehnt dazu beigetragen, die Armut langsam zu verringern. Zugleich hat aber die ungezügelte Urbanisierung und eine schrankenlose Industrialisierung sowohl die Sozialsysteme als auch das natürliche Gleichgewicht zunehmend aus der Waage gebracht. Die gnadenlose Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe in Verbindung mit dem fortschreiten Klimawandel gehört zur Schattenseite dieser Entwicklung.

In unserem Teil der Welt aber auch auf anderen Kontinenten ist es offensichtlich, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich durch den Klimawandel weiter vertieft. Vor uns stehen gewaltige Aufgaben, um auf den Weckruf des Papstes zu reagieren.

Klimawandel und Nachhaltige Entwicklung stehen in diesem Jahr ganz oben auf der politischen Agenda. Es ist fundamental, dass diese Aufmerksamkeit in handfesten politischen Vereinbarungen auf Regierungsebene mündet. 2015 muss das Jahr der konkreten, gerechten und langfristigen Entscheidungen werden. Es muss das Jahr werden, in dem sich keiner mehr vor dem notwendigen Handeln drücken kann.

Der Papst hat das Seine getan, um die Entwicklung in diesem Sinne zu beeinflussen. Er gibt den Ärmsten eine Stimme, damit sie Gehör finden und auf eine Zukunft in Würde hoffen können. Lateinamerika gehört zu den Regionen mit der reichsten Biodiversität auf der Erde. Ich hoffe, dass wir mit Verantwortung und Entschlossenheit auf die Botschaft des Papstes antworten, um die wunderbaren Schätze unseres Planeten zu bewahren.