Meinung
Kommentar

Flüchtlinge: Auf die Bürger kommt es an

Andreas Dey

Andreas Dey

Foto: Klaus Bodig / HA

Hamburg muss um Akzeptanz für Flüchtlinge werben

380 Flüchtlinge stellten am ­Wochenende in Hamburg einen Asylantrag, am Wochenende davor waren es sogar 450, und an den Tagen dazwischen wurden diese Dimensionen mitunter binnen 24 Stunden erreicht. Die Zahlen verdeutlichen, vor welch enormer Herausforderung die Stadt steht: Containerdörfer und Zeltlager können mit Mühe und Not gerade so schnell aufgebaut werden, wie die Menschen hierherkommen. Dass Politik und Behörden dennoch fast allen Flüchtlingen rechtzeitig ein Dach überm Kopf zur Verfügung stellen, das verdient Anerkennung.

Angesichts der Tatsache, dass dieser Flüchtlingsstrom noch lange anhalten dürfte, erwächst neben der Schaffung von Unterkünften allerdings ein noch größeres, viel subtileres Pro­blem: die Akzeptanz der Bevölkerung. Noch dominiert in Hamburg erfreulicherweise die Willkommenskultur: Freiwillige Helfer unterstützen die Flüchtlinge mit Kleidung, Spielzeug, Nahrungsmitteln, helfen ihnen bei Behördengängen oder Sprachkursen. Doch es gibt auch die andere Seite. Ob in Blankenese oder Poppenbüttel, in Harvestehude oder zuletzt in Jenfeld: In immer mehr Stadtteilen wehren sich Anwohner auf ganz unterschiedliche Weise gegen Flüchtlingsunterkünfte, mal mit dem Anwalt, mal mit den Füßen, indem sie schlicht den Aufbau einer Zeltstadt verhindern.

Ob diese Einwände und Sorgen nun berechtigt sind oder nicht: Entscheidend ist, dass Politik und Verwaltung den Menschen das Gefühl geben, ihre Befindlichkeiten zu kennen und sie ernst zu nehmen. Dazu gehört, dass die Anwohner unterrichtet werden, bevor eine Flüchtlingsunterkunft entsteht und sie nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Das ist auch unter Druck machbar, und Innensenator Michael Neumann tut gut daran, dass er sich jetzt bei den Jenfeldern dafür entschuldigt, dass das in ihrem Fall schiefgelaufen ist. Ebenso begrüßenswert ist der SPD-Plan, die Mittel für die Unterstützer der Flüchtlinge auf 1,4 Millionen Euro zu erhöhen. Eine bescheidene Summe, mit der aber viel erreicht werden kann: Helfer sind Multiplikatoren, sie sorgen für Verständnis und Akzeptanz – auf diese Werte wird die Stadt angewiesen sein.

Seite 8 Willkommen in der Zeltstadt