Meinung
Offen gesagt

Edel: Weggang zur falschen Zeit

Tom R. Schulz

Tom R. Schulz

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Ein kleiner Schritt nur, was das Personalvolumen angeht, aber doch einer, dessen Symbolkraft registriert wird: Edel:Kultur, die Klassik-, Jazz- und Hörbuchabteilung des Konzerns, zieht zum 1. August von der Elbe an die Spree. Die Affinität zur Hauptstadt kam schon im Namen des Edel-eigenen Labels „Berlin Classics“ zum Ausdruck, auch ist es kein Geheimnis, dass der Bilderbuch-Selfmademan Michael Haentjes, der den Laden vor 30 Jahren im Alleingang gründete, Berlin schon lange sexier findet als Hamburg.

Für die hiesige Klassikszene aber ist die Nachricht im Jahr zwei vor der neuen Zeitrechnung, die mit der Eröffnung der Elbphilharmonie 2017 beginnt, eine betrübliche. Abgesehen von den Härten für die wenigen Mitarbeiter der Abteilung, die teilweise seit Jahrzehnten für die Firma arbeiten, aber aus Rücksicht auf ihre Familien nicht mitziehen können: Mit seinem Zauberzelt überm Kaispeicher ist doch Hamburg die Stadt mit dem größten Wachstumspotenzial und der größten zu erwartenden Aufmerksamkeit in Sachen Klassik, die sich in Deutschland denken lässt. Warum hier die Segel streichen? Die Majors, die früher in Hamburg saßen, sind ohnehin längst in Berlin, und die Geschäftszahlen sind, auch dank hoch motivierter Mitarbeiter, blendend. Ein Menetekel zudem: Wer weiß, was noch so alles aus dem Edel-Imperium nachzieht, wenn Haen-tjes in Berlin ganz sesshaft wird.