Meinung
Kommentar

Ehrenamtler sind die wahren Helden

Peter Wenig

Peter Wenig

Foto: HA / A.Laible

Immer weniger engagieren sich ehrenamtlich – mit fatalen Folgen

Beginnen wir, so viele Zeilen müssen sein, mit etwas Selbstkritik. Gerade im Sportjournalismus ist inflationär oft von Helden die Rede. Aufstiegshelden, Meisterhelden, Elfmeterhelden – gerade für Fußball-Millionäre scheint kein Superlativ zu groß, obwohl ihre Leistungen häufig in einem grotesken Missverhältnis zu ihrer Bezahlung stehen.

Über die Helden des Alltags finden sie dagegen auch im Hamburger Abendblatt kaum eine Zeile. Um sie kennenzulernen, reicht indes eine schnelle Tour am Wochenende zu den Sportplätzen und Turnhallen. In Trainingsanzügen stehen sie am Spielfeldrand, gestikulierend, jubelnd, tröstend. Ihr Job ist so schlecht bezahlt, dass jede Mindestlohngrenze mühelos unterboten wird. Dabei tragen sie Verantwortung, immense Verantwortung. Sie betreuen unsere Kinder Woche für Woche viele Stunden. Beim Training, bei Punktspielen, bei Turnieren.

Eine Lobby haben die Millionen Ehrenamtlichen im deutschen Sport dennoch nicht. Sie sind ja einfach da. Dachte man zumindest. Wer indes den Report auf der heutigen Thema-Seite liest, begreift, dass die Sportvereine vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte stehen. Denn immer weniger Menschen sind bereit, ihre Freizeit für ein Ehrenamt zu opfern, sei es als Trainer, Betreuer, Vorstand oder Kassierer. Bei ersten Clubs in Hamburg droht inzwischen, dass Mannschaften abgemeldet werden müssen, wenn sich nicht endlich mehr Eltern engagieren.

Zugegeben, die Arbeitswelt ist härter geworden, viele müssen inzwischen abends und an Wochenenden arbeiten. Aber, diese paar Zeilen Wahrheit müssen sein, es liegt auch an unserer Bequemlichkeit. Kennt man ja vom Mama-Papa-Mikado bei Elternabenden in der Schule. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren – und ein Amt gewonnen. Alles verständlich, keine Frage, aber eben auch gefährlich. Auf dem Spiel steht letztlich eine Vereinskultur, die viele Kinder und Erwachsene davor bewahrt, vor Fernsehern oder Computern dahinzudämmern. Gemeinsam siegen, gemeinsam verlieren, mehr geht nicht. Deshalb heute mal kein Hoch auf uns, kein Hoch auf den HSV oder den FC St. Pauli, sondern ein Hoch aufs Ehrenamt. Und ein dickes Dankeschön.