Meinung
Kommentar

Harley Days sind ein überflüssiges Spektakel

Das Biker-Event bringt Geld in die Stadt – und Gestank und Lärm

Wer in der Stadt lebt, muss tolerant sein: Hier geht es laut zu, schrill und mitunter nervig. Seit Hamburg für immer mehr Gäste zu einem interessanten Reiseziel geworden ist, ist es noch etwas voller und trubeliger geworden. Unterm Strich tut der Fremdenverkehr der Stadt gut – er bringt Geld, manchmal kulturellen Austausch und am Ende vielleicht sogar Neubürger in die Stadt, die sich bei einer Reise in Hamburg verlieben.

Wer in der Stadt lebt, muss sich aber nicht alles gefallen lassen. Nicht jeder Blödsinn lässt sich mit Übernachtungszahlen und Millioneneinnahmen rechtfertigen. Nicht jedes Event adelt Hamburg zur Weltstadt. Eine Metropole ist nicht nur für ihre Gäste da – sondern eben auch für ihre Bürger.

Wenn die Reeperbahn zur Geräuschkulisse knatternder Harleys verkommt, die Straßen zum Spielplatz enthemmter Altherrenrocker werden und die Stadt sich als Panoramatapete geschmacklicher Grenzgänger gefällt, läuft etwas grundlegend schief. Dieses vom Umweltverband Nabu zu Recht als „völlig entbehrliche Verlärmung“ kritisierte Event höhlt das Verständnis für Großveranstaltungen in der Stadt nachhaltig aus. Es wirkt geradezu grotesk, dass mit dem Harley-Korso die Olympia-Bewerbung der Hansestadt befeuert werden sollte – als ob Motorradfahren olympisch wäre!

Die Zahl der Verstöße, welche die Polizei bei den Harley Days registrierte, die eher hilf- und wirkungslosen Appelle, Wohngebiete zu meiden oder Burn-outs zu unterlassen, werfen ein schlechtes Licht auf die Teilnehmer und die Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltung. Oder dürfen sich einige kleine Männer auf großen Maschinen als exzellent zahlende Gäste in Hamburg mal ein bisschen daneben benehmen?

Unverständlich bleibt, warum das Knattern und Röhren in der Stadt erst kürzlich mit dem Segen der SPD und der Grünen bis ins Jahr 2020 verlängert worden ist. Offenbar fürchtet die Ökopartei noch immer, als Spaßbremsen und Verbotsfanatiker wahrgenommen zu werden. Dabei geht es hier überhaupt nicht um Verbote. Es würde völlig ausreichen, die Harley Days nicht länger zu erlauben.