Meinung
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Exit-Option muss ins Olympia-Referendum

Alexander Porschke, Vorsitzender Nabu.

Alexander Porschke, Vorsitzender Nabu.

Foto: Angelika Warmuth/Archiv

Ja, die Spiele bieten Chancen. Aber sie müssen nachhaltig sein und im Kostenrahmen bleiben. Zehn Gründe für eine Rückzugsoption im Referendum.

In der Bewerbung Hamburgs für Olympia 2024/2028 stecken aus meiner Sicht einige Chancen: Hamburg könnte endlich die Siedlungsverbindung zwischen HafenCity und Veddel/Wilhelmsburg gelingen. Zentrumsnahe Wohnentwicklung statt Zersiedelung am Stadtrand dient der Vermeidung von Verkehrswegen und Flächenverbrauch. Auch das Bürgermeister-Versprechen, die Bewerbung würde unter Einhaltung der Schuldenbremse und ohne Zurückstellung anderer Projekte erfolgen, kann Anlass zur Hoffnung sein. Und ein Bewerbungskonzept, das aus den Fehlern von London 2012 lernt, eine Fortentwicklung des Anspruchs von ökologisch nachhaltigen Spielen umsetzt und im verfügbaren Kostenrahmen bleibt, wäre ein positives Signal an die Welt: Olympia geht auch nachhaltig und ohne Kostenexplosion! Diese Chance spricht eindeutig gegen die Aussage „Hamburg kann nur verlieren!“

Es ist jedoch keinesfalls selbstverständlich, dass die Verwirklichung des anspruchsvollen Konzepts gelingt.

1. Das neue Bürgermeister-Credo „Erst planen, dann entscheiden und dann bauen“ soll auf Hamburgs Bewerbung offensichtlich nicht angewandt werden. Bis zum Volksentscheid über das „Ob“ der Bewerbung im November 2015 werden weder die Planung abgeschlossen noch belastbare Kostenpro­gnosen zu erwarten sein.

2. Erfahrungen mit Großprojekten wie HafenCity, Elbphilharmonie u. a. zeigen, dass oft Entscheidungen aus politischer Begeisterung für ein Projekt (zu) früh getroffen werden und sich dann nach Baubeginn die anfänglichen Kostenprognosen als zu optimistisch herausstellten.

3. Das Bedürfnis von Planern, spektakuläre Denkmäler zu hinterlassen, wirkt nicht selten wie ein Kostentreiber, denn die Einhaltung eines Budgets ist nicht ihr vorrangiges Ziel.

4. Planungen unter Zeitdruck bergen Kostenrisiken. Insbesondere bei nicht selten auftretenden Bauverzögerungen führt Zeitdruck schnell zur Notwendigkeit von Überstunden, Nacht- oder Wochenendarbeit mit entsprechenden Zusatzkosten.

5. Zeitdruck erhöht auch die Blockademacht derjenigen, deren Zustimmung zur Projektrealisierung nötig ist. Ein zu verlagernder Hafenbetrieb könnte z. B. teure Kompensationsforderungen stellen.

6. Auch das IOC erhob in der Vergangenheit Nachforderungen, deren Kosten die Ausrichter der Spiele zu tragen hatten. Und wie teuer allein hohe Sicherheitsauflagen werden können, hat das G7-Treffen in Elmau gerade wieder gezeigt.

7. Die Bereitschaft des Bundes und der Hamburger Wirtschaft, einen Teil der notwendigen Olympia-Lasten zu übernehmen, dürfte nach einer Festlegung der „Ob“-Entscheidung eher zurückgehen, da es auf ihren Beitrag dann ja nicht mehr ankäme. Der versprochene Beitrag der Wirtschaft zu den Bewerbungskosten ist nach Presseberichten noch nicht eingegangen.

8. Die Olympia-Euphorie kann auch dazu missbraucht werden, gar nicht nachhaltige Maßnahmen wie die Inanspruchnahme von Grünflächen für zu verlagernde Betriebe oder die Zuschüttung von Gewässern durchzusetzen.

9. Der entstehende Kostendruck kann weiterhin dazu führen, dass Nachhaltigkeitsversprechen nach einer positiven „Ob“-Entscheidung doch unter den Tisch fallen.

10. Die Hamburger Bürger wollen keine Katze im Sack kaufen. Deshalb ist eine gewisse Garantie der o. g. Bedingungen ein wichtiger Beitrag zu einem positiven Volksentscheid. Diese Garantie kann nur in einer Rückzugsoption liegen, die genutzt werden müsste, wenn sich eine ökologisch ehrgeizige Bewerbung in dem verfügbaren Kostenrahmen nicht realisieren ließe.

Aus diesen genannten Gründen stimmt die Aussage „Hamburg kann nur gewinnen“ nicht. Tatsächlich kommt es wesentlich auf das „Wie“ des Bewerbungsplans an. Deshalb muss ins Referendum eine entsprechende Klausel aufgenommen werden: Hamburg müsste seine Bewerbung zurückziehen, wenn sich im Laufe der Planung, also noch vor der endgültigen Bewerbung im Januar 2017, herausstellt, dass ein nachhaltiges Bewerbungskonzept im vorhandenen Kostenrahmen nicht verwirklicht werden kann. Mir scheint deshalb die treffendste Parole zu Hamburgs Bewerbung zu sein: „Olympia in Hamburg? Es kommt drauf an, wie man es macht.“