Meinung
Offen Gesagt

Ewig gleiche Klischees über Frauenfußball

Christian Unger

Christian Unger

Foto: Andreas Laible / HA

Wenn Männer im Fernsehen Fußball spielen, zeigen die Sender in ihren Vor- und Abspännen gerne Schwein-steigers, die grätschen, und Messis, die seitfallziehen. Zur Frauen-WM in Kanada, die am Wochenende begonnen hat, fährt die ARD-Kamera langsam an glitzernden, eleganten hochhackigen Schuhen vorbei und endet bei einem Fußballschuh. „Die High Heels für die besonderen Momente“, sagt eine Frauenstimme. Mit diesem Trailer wirbt der gebührenfinanzierte Sender für die Fußball-Frauen. Und in meinen Gedanken auf dem Sofa vor dem Fernseher fährt die Kamera langsam an dem älteren Herrn vorbei, der in seinem Redaktionsbüro sitzt und sich beim Frauenfußball vor allem auf Bauch, Beine und Po konzentriert. Und nicht auf die Viererabwehrkette.

Die Geschichte des Frauenfußballs ist vor allem eine Emanzipation von dem Klischee, dass zu diesem Sport ein Ball, zwei Tore und 22 Männer gehören. Beginnt eine WM der Männer, bläst ein Orkan durch Deutschland. Treten die Frauen an, weht ein Lüftchen. Die Frauen-Bundesliga spielt in Medien und unter vielen Fußballfans kaum eine Rolle – dabei leisten Spielerinnen nicht weniger. In der kurzen Sendezeit schaffen es die Öffentlich-Rechtlichen aber, auch im Jahr 2015 Bilder der 1950er zu reproduzieren. Zur EM 2013 ließ das ZDF eine Spielerin den Fußball in eine Waschmaschine kicken. Waschgang „Leder“. Jetzt High Heels. Zwei Jahre sind vergangen, die Klischees sind die ewig gleichen.