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Kommentar

HVV: Kontrolle ist gut, Vertrauen auch

Axel Tiedemann

Axel Tiedemann

Foto: Klaus Bodig

Erster HVV-Prüfmarathon in Hamburger Bussen und Bahnen

150 Fahrkarten-Kontrolleure waren am Montag in den Bussen und Bahnen der Stadt unterwegs. An etlichen S- und U-Bahnstationen bauten sie sich zudem vor den Ausgängen der Bahnsteige auf. Es war die erste Großkontrolle im Hamburger Verkehrsverbund (HVV).

Sind sonst flexible Trupps mal hier und mal dort im Einsatz, war dieser Prüfmarathon wohl für fast jeden Kunden präsent. Und was sollte das Ganze? Immerhin war die Aktion vorher bereits angekündigt worden. Eine Kon­trolle mit Ansage sozusagen. Und eine Kontrolle, die deshalb wohl weniger darauf aus war, möglichst viele Schwarzfahrer zu erwischen. Die Großkontrolle war daher in erster Line eine Art PR-Aktion, man könnte auch Abschreckung sagen: „Seht her, wir kon­trollieren. Jederzeit, an jeder Stelle.“ Das ist die Botschaft.

Aber ist das wirklich eine neue Botschaft? Wohl kaum. Jeder Fahrgast im HVV dürfte schon einmal eine Kontrolle erlebt haben. Man weiß in der Regel, dass es ein Risiko gibt, erwischt zu werden, wenn man sich nicht an die Spielregeln hält und dafür Strafe zahlen muss. Und so dürfte der teils martialische Auftritt der Kontrolleursreihen etliche (ehrliche) HVV-Kunden verärgert haben. Gelegentliche Stichproben sind okay. Eine Massenkontrolle hat aber immer etwas von massenhafter Unterstellung – auch wenn die Kontrolleure selbst sehr freundlich auftraten.

Und offensichtlich reichen die bisherigen, gelegentlichen Prüfungen sogar aus. Immerhin konnte der HVV seine Schwarzfahrerquote in den vergangenen Jahren senken. Mit kaum drei Prozent Anteil dürfte ein Maß erreicht sein, das man akzeptieren kann. Klar sind Schwarzfahrer aus Sicht der ehrlichen Kunden ärgerlich. Aber mit bald 60 Euro Strafe ist das Risiko groß genug und als Abschreckung wohl ausreichend. Und es ist auch richtig, dass der HVV auf neue Herausforderungen reagiert und jetzt beispielsweise fälschungssicheres Papier für seine Fahrkarten einsetzt.

Es wäre aber weltfremd zu glauben, dass man in einer Großstadt die Quote noch weiter senken kann. Jedenfalls nicht, ohne die Masse der Fahrkartenbesitzer zu verärgern.