Meinung
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Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechselvon Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ich weiß, Du bist kein Fußballfan, aber wir müssen trotzdem über Sepp Blatter und die Fifa reden. Dass dessen Rücktritt in den „Tagesthemen“ und im „heute-Journal“ wie der eines echten Präsidenten behandelt wird, sagt doch alles. Was meinst Du: Müssen die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 neu ausgeschrieben werden? Und wie konnte ein offensichtlich korruptes System so lange die Welt zum Narren halten?

Schwennicke: Lieber Lars, da antworte ich als Cicero-Chefredakteur. Wir hatten im Oktober einen Titel zum Thema: „Rote Karte!“ – Warum es keine WM in Russland und Katar geben darf. Damals hatten wir eine Cicero-Elf aus prominenten Fußballmenschen zusammengestellt, die sich hinter diese Forderung stellten. Frage nicht, wie schwer es war, die Elf aufzustellen! Die meisten sagten: Stimmt zwar, das ist eine Sauerei, aber das sage ich nicht öffentlich. Ein richtiges Schweigekartell war das. Umso mehr Dank nochmals an Jörg Schmadtke, Peter Neururer, Marcel Reif, Thomas Strunz, Moritz Rinke und einige andere Helden, die sich aufstellen ließen. Heute ist die Forderung plötzlich en vogue. Da hat sich echt was getan nach der Bombe aus den USA.

Haider: Was waren damals Eure Hauptgründe, Russland und Katar die Rote Karte zu zeigen? Die Korruptionsvorwürfe waren in der jetzigen Dimension ja noch nicht bekannt.

Schwennicke: Wir haben politisch argumentiert. Einem dubiosen Staat, der in den islamistischen Terror finanziell verstrickt ist, kann man die Spiele nicht geben (mal abgesehen von der absurden Idee, in der Wüste im Winter Fußball zu spielen). Und einem Land, das gerade das Nachbarland überfallen hat und eine Halbinsel annektiert hat, auch nicht. Obendrein: Die Verdachtsmomente in Sachen Schmiergeld waren ja alle da. Unser Autor der Fifa-Geschichte, Jens Weinreich, hatte einen sauberen Indizienprozess geführt.

Haider: Und recht behalten. Was wären Deine Wunsch-WM-Ausrichter? Ich fände eine skandinavische Bewerbung mal ganz interessant, Schweden, Dänemark und Norwegen zusammen …

Schwennicke: Dann lass uns das Baltikum nehmen. Estland, Lettland, Litauen. Das wäre ein Statement Richtung Moskau.