Meinung
Kommentar

Bei Jugendgewalt muss gehandelt werden

Gegen Jugendgewalt sind mehr Präventionsprogramme nötig

Das Gute ist: Es lässt sich alles erklären. Zwar steigt die Jugendkriminalität in Hamburg nach Jahren wieder sprunghaft an, in der Schulbehörde türmen sich virtuell Bögen über Gewaltvorfälle – doch Ersteres bedeutet nur einen kleineren Rückschritt, und Letzteres ist sogar politisch gewollt. Tatsächlich wird jede Rauferei in Hamburger Schulen inzwischen erfasst und eingestuft. Nur bleibt ein wesentlicher Schritt aus: Einem Problem mit derselben Verve zu begegnen, mit der es analysiert wird.

Als die Auswertung im vergangenen Herbst deutlich mehr Gewaltvorfälle ergab, berief Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine Expertenkommission ein – allerdings eher mit dem Auftrag, an der Verbesserung des Meldesystems zu arbeiten, als neue Impulse gegen den inhaltlichen Trend zu setzen. Nach vier Sitzungen wurde es still um die Experten und das Thema. Mit einiger Bitterkeit gratulieren Pädagogen dem Senat, nun genau über die Zustände an Schulen im Bilde zu sein. Eine deutliche konzeptionelle Rückendeckung, mit der Gewalt im Alltag auch umzugehen, haben sie bislang nicht erhalten.

Auf der anderen Seite wäre es zu einfach, die bisherigen Maßnahmen aufgrund steigender Fallzahlen für gescheitert zu erklären. Wie der Senat im Koalitionsvertrag richtig schreibt, haben sich Präventionsprogramme wie „Cop4U“ bewährt. Sie müssen dringend fortgesetzt und wenn möglich ausgebaut werden. Das Meldesystem ist nützlich, um festzuhalten, dass Straftaten in Gymnasien auf subtilere Art begangen werden als in Stadtteil- oder Grundschulen und sich die Art der Kriminalität insgesamt verändert hat.

Nun kann eine Chance darin liegen, die Erkenntnisse in passgenaue Konzepte für Schulformen und Stadtteile zu überführen. Dazu bedarf es auch einer Versammlung der mit Jugendgewalt befassten Schulen, Gewerkschaften, Amtsstellen in Schul- und Sozialbehörde. Auch wenn sich Jugendgewalt nie nur in Klassenverbünden abspielt, ist die Schule neben dem Elternhaus der zentrale Ort, um ihr wirksam zu begegnen. Eine Struktur zu schaffen, die hier ansetzt, kann auch verhindern, dass sich ein gefährlicher Trend in Zukunft verfestigt.