Meinung
Offen gesagt

Shades of Grey: Einmal Sado mit Soße, bitte

Eine Betrachtung von Thomas André

Selbstverständlich erinnern wir heute an den berühmten Marquis de Sade, der vor 275 Jahren nicht anders konnte, als seiner Mutter gleich mal Schmerzen zuzufügen: Da wurde er nämlich geboren, der olle Aua-Enthusiast. Als Mann, der wusste, wie man so austeilt, dass andere sich ein lustvolles Seufzen nicht versagen können.

Die Jüngeren unter uns glauben ja, dass zwei Hart-Performer mit Namen Christian Grey und Anastasia Steele Fesselspielchen usw. usf. erfunden haben. Und wenn nicht die, dann halt E. L. James – das ist die Frau, die auf die geldwerte Idee kam, ihr geheimes Verlangen, ihre gefährliche Liebe und ihre befreite Lust aus den schmutzigen Bezirken der Fantasie auf unschuldiges, weißes Papier zu bannen.

Ist natürlich alles Quatsch mit Soße. Da gab es viel früher einen, wie wiederum wir in den Sphären der Literatur Weitgereisten und Erotikkenner wissen, der dem Sadismus seinen Namen gab. Der Marquis schrieb nicht nur besser als Mrs. James, er lebte sein Sexexzentrik (nach allem, was man weiß) auch entschieden handfester aus, perverser Lüstling, der er war.

Sein Werk brachte Körper und Geist zusammen, Pornografie und Philosophie, Mann und Frau – das macht ihn zu einem sehr modernen Autor, einem, der immer wusste, wo die Peitsche hängt. Was er wohl zu unserem, Shades of Grey hin oder her, prüden Zeitalter sagen würde? Merci ­beau­coup vielleicht, oder halt: Liebling, hol die Handschellen raus.