Meinung
Menschlich gesehen

Der Derby-Wart

Als sein Vater vor 22 Jahren in Rente ging, da gab es für Klaus Fronzek nichts zu überlegen. Gas- und Wasserinstallateur hatte der gebürtige Hamburger zwar gelernt, aber der Posten als Platzwart im Derbypark in Klein Flottbek, der sollte doch in der Familie bleiben. Deshalb griff der heute 53-Jährige zu – und hat es nie bereut.

In diesen Tagen, da auf dem Gelände das 86. Deutsche Springderby und das 57. Deutsche Dressurderby ausgetragen werden, ist sein Job natürlich besonders anspruchsvoll. Fronzek, der selbst nichts mit Pferden am Hut hat, sondern lieber Fußball guckt, muss dafür sorgen, dass der Derbyplatz in bestem Zustand ist. Den Rasen hat er am Montag zuletzt gemäht, nun heißt es Löcher stopfen und wässern, sofern das nicht der Regen übernimmt.

Langweilig wird dem Junggesellen, der in einem kleinen Haus auf der Anlage wohnt, aber auch ohne Derby nicht. Im Frühling wird der Park derbyfein gemacht. Im Herbst muss er die Anlage von Unmengen an Laub befreien, im Winter wird Schnee entfernt und die Wasseranlage überwacht. Klaus Fronzek mag seinen Beruf. Sorgen macht ihm nur eins: Da er keine Nachkommen hat, muss seine Nachfolge extern geregelt werden. Aber bis dahin sind ja noch einige Jahre Zeit. (bj)