Meinung
Meinung

Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechselvon Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.


Lars Haider: Lieber Christoph, welches gefährliche Potenzial die Geheimdienstaffäre für die Große Koalition haben könnte, hast du vor zwei Wochen schon geschrieben. Nun scheint es mir, als könnte Angela Merkel tatsächlich einmal selbst in eine heikle Situation kommen. Wie geht es weiter?

Christoph Schwennicke: Es bleibt ihre Achillesferse. Zum ersten Mal, soweit ich mich erinnern kann, perlt eine unangenehme Sache nicht an ihr ab. Sonst hat sie das immer vermieden. Selbst unangenehme Entscheidungen wie seinerzeit die Rente mit 67, lange her!, hatten auf wundersame Weise nie mit ihr zu tun. Franz Müntefering, der damals den Kopf dafür hinhalten musste, kann ein Lied davon singen. Die BND-NSA-Sache klebt aber jetzt an ihr. Das hat Sigmar Gabriel geschafft.

Haider: Und was heißt das jetzt für die Große Koalition? Gabriel und Merkel können doch kaum noch vertrauenswürdig zusammenarbeiten ...

Schwennicke: Es wird nicht mehr so sein wie bisher. Aber es kann schon noch halten. Ab jetzt arbeitet aber jeder auf eigene Rechnung. Und Merkel weiß ganz genau: Ihr Vizekanzler ist ab jetzt ihr Herausforderer.

Haider: Wie kann sich die Kanzlerin für Gabriels Indiskretionen rächen?

Schwennicke: Nicht in gleicher Münze. Das macht sie nie. Sie wird ihn nicht mehr ins Vertrauen ziehen. So war es auch bei Philip Rösler nach dessen Intrige in der Causa Gauck.

Haider: Und der Wahlkampf zwischen den beiden beginnt wann? Und hat Gabriel jetzt eine Chance?

Schwennicke: Der eigentliche Wahlkampf beginnt natürlich noch nicht, subkutan aber schon. Im Moment hat Gabriel so viel Chancen wie Bayern vor dem Rückspiel gegen Barcelona.