Meinung
Matz ab

Endlich ist der HSV eine Einheit

Dieter Matz

Dieter Matz

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Trainer Bruno Labbadiahat geschafft, was seinen vielen Vorgängern offenbar nicht wichtig war. Hoffentlich ist es nicht zu spät

Besser spät als nie. Heißt es oft ja so schön im Volksmund. Ob dieses alte Sprichwort aber auch auf den HSV zutrifft, das wird sich erst in den nächsten acht Tagen und den dazugehörigen beiden Abstiegs-Endspielen beweisen müssen. Morgen in Stuttgart gegen den Tabellenletzten und dann in einer Woche im Volkspark gegen Schalke 04. Ob der HSV und seine Anhängerschaft in diesen beiden Partien wieder auf eine Mannschaft hoffen dürfen, die auch das Prädikat Mannschaft verdient, bleibt abzuwarten. Immerhin hat der Direktor Profi-Fußball im HSV, Peter Knäbel, nach dem glücklichen 1:1 zuletzt gegen Freiburg festgestellt: „Unser Zusammenhalt war noch nie so gut.“

Besser spät als nie?

Peter Knäbel stellte auch fest: „Die Jungs haben sich im letzten Viertel der Saison als Mannschaft und als Trainingsgruppe gefunden, wir sind geschlossener als vorher.“ Das ist offensichtlich. Obwohl das „letzte Viertel der Saison“ übertrieben ist. Es waren die vier Spiele unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia, in denen ein frischer Wind innerhalb der HSV-Mannschaft wehte – und von außen erkennbar war.

Vier Spiele, aber niemals das „letzte Viertel“. Mit dem Spiel in Bremen, das der HSV unglücklich 0:1 verlor, war ersichtlich, dass der neue Coach aus einem Team, das nie eine Einheit war, so etwas wie eine verschworene Truppe geformt hat. Und dieses Zusammenwachsen setzte sich bei den Siegen gegen Augsburg und Mainz fort; zuletzt gegen Freiburg war allerdings ein kleiner Rückschritt unübersehbar. Laut Knäbel schweißt der Druck zusammen, aber können es nicht auch die Erfolgserlebnisse gewesen sein?

Wie auch immer. Jetzt hat es den Anschein, als sei diese HSV-Mannschaft endlich einmal tatsächlich so intakt, wie es sich für ein Team, das sich gemeinsam gegen den Abstieg zu wehren hat, auch gehört. Dies ist auch von den Spielern zu hören. Plötzlich geht es. Offenbar vor allem deshalb, weil sich der Trainer schon seit seinem ersten HSV-Tag intensiv mit der Frage beschäftigte, warum diese Hamburger Mannschaft, in der es sehr wohl viele klangvolle Namen gibt, nicht so funktionierte, wie es eigentlich sein müsste. Bruno Labbadia hat dann innerhalb weniger Tage geschafft, was seinen Vorgängern jahrelang nicht gelang: eine Einheit zu formen. Doch haben die anderen dies tatsächlich versucht? Die meisten HSV-Trainer wollten eher für sich glänzen, als dass sie sich auf eine Ebene mit den Profis begeben hätten.

Labbadia hat es anders angepackt, und er könnte deshalb zum Retter des Bundesliga-Dinos werden. Noch vor drei Spieltagen war der HSV Tabellenletzter – und nicht wenige Experten hatten auf die Rothosen als Absteiger Nummer eins getippt.

„Wir haben an der Geschlossenheit vornehmlich auf dem Platz gearbeitet, das war entscheidend. Natürlich wurden Gespräche geführt, auch abseits des Trainings. Wir haben den Spielern erklärt, warum sie gewisse Dinge machen müssen. Es ist in meinen Augen wichtig, dass die Spieler dies wissen.“ Labbadia allgemein über seine Mission: „Es war mir klar, dass es nur so gehen würde. Ich wusste vorher: Gelingt es mir nicht, dann Buch zu ...“ Und der HSV in der Zweiten Liga.

Zuletzt konnte sich jeder davon überzeugen, dass sich dieser HSV auf einem besseren Weg befindet. Und Labbadia sagt lächelnd: „Wenn man das nicht gesehen hätte, dann hätten wir uns auch nicht diese Chance erkämpft, die wir jetzt noch haben.“ Abschließend urteilte der Trainer: „Geschlossenheit gehört dazu, ganz klar, deswegen war das einer meiner ersten Ansatzpunkte.“

Kurios, dass es erst Labbadia war, der dieses offensichtliche Manko sofort angepackt und geändert hat – was wurde vorher getan? Für die Trainer war Geschlossenheit wohl nicht so wichtig, und die drei Fußball-Weisen (Dietmar Beiersdorfer, Knäbel, Bernhard Peters), die vor der Saison von allen als Heilsbringer gefeiert wurden, schafften es nicht, ihre Herren Trainer auf die fehlende Geschlossenheit aufmerksam zu machen, um so Besserung herbeizuführen. Schade eigentlich.

Deshalb: Besser spät als nie? Das wird sich erst noch erweisen müssen.

Die HSV-Kolumne Matz ab erscheint täglich im Internet unter www.abendblatt.de/matz-ab