Meinung
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Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, bin ich ungerecht, wenn ich für die Streiks der Lokomotivführer kein Verständnis mehr habe, aber Kita-Erziehern alle Gehaltserhöhungen der Welt wünsche?

Christoph Schwennicke: Geht mir auch so. Aber Gegenfrage mit der Bitte um ehrliche Antwort: Würdest Du auch dafür wesentlich mehr Kita-Gebühren in Kauf nehmen?

Haider: Ein klares Ja. Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir den Menschen, denen wir unser Wertvollstes anvertrauen, mehr bezahlen. Und damit meine ich nicht Lokomotiven :-). Warum bezahlen wir Erzieher, Altenpfleger, etc. eigentlich so schlecht?

Schwennicke: Hart gesagt: Weil sie Arbeiten verrichten, die in unserer Wirtschaftsordnung keine Rendite bringen. Und wenn sie doch Rendite bringen, wie beim Geschäft mit der Altersverwahrung, dann wird sie von skrupellosen Geschäftemachern abgeschöpft, aber nicht an diese Helden des Alltags weitergegeben.

Haider: Das ist sehr hart. Muss die Rendite in diesem Fall nicht anders berechnet werden?

Schwennicke: Die Renditeberechnung kannst Du so wenig ändern wie die Erdanziehung. Aber die Träger der Einrichtungen für Kinder, Alte und Pflegebedürftige müssen dazu gebracht werden, mehr Geld zu denen durchzureichen, die diese Arbeit machen. Deshalb hat dieser Streik auch zu Recht deine Sympathie.

Haider: Vor allem, weil viele Träger ja in staatlicher Hand sind. Kann doch nicht sein, dass ausgerechnet der Staat zu schlecht bezahlt – dem geht es ja eigentlich nie um Rendite.

Schwennicke: Aus Dir wird ja noch ein richtiger Etatist!