Meinung
Kommentar

Handelskammer muss sich weiter öffnen

Dr. Jens Meyer-Wellmann

Dr. Jens Meyer-Wellmann

Foto: Bertold Fabricius

Tradition und Erneuerung: Hamburgs Handelskammer wird sich weiter öffnen müssen

Vermutlich wird diese Wette bisher von keinem Buchmacher angeboten, aber Spötter haben kürzlich die Frage aufgeworfen, wer wohl als Erster in der Moderne ankommt: die katholische Kirche oder die Handelskammer Hamburg. Das ist natürlich eine boshafte Frage. Denn erstens ist die Handelskammer keine religiöse Einrichtung (auch wenn bis vor einer Weile manches ihrer Rituale so wirkte). Und zweitens ist sie schon von der Genese her eine moderne Institution: eine selbstbewusste Vertretung der Kaufmannschaft, die in den mehr als 350 Jahren ihres Bestehens sehr segensreich gewirkt hat für diese Stadt.

In dieser Zeit haben sich allerdings Wirtschaft und Gesellschaft rasant verändert, zuletzt durch die Digitalisierung schneller als je zuvor. Durch das Internet ist die Welt nicht nur transparenter geworden. Es wollen auch immer mehr Menschen über große und kleine Fragen mitdiskutieren. Zugleich hat sich durch die Digitalbranche ein neuer Unternehmertypus entwickelt. Neben den „Ehrbaren Kaufmann“ ist der Start-up-Gründer getreten, der einer völlig anderen Kultur entstammt – und nicht unbedingt immer auf derselben Welle funkt oder surft wie der Traditionsunternehmer.

Nicht nur vielen Branchen bereitet diese von der Digitalisierung getriebene Wandlung Probleme. Auch Interessenvertretungen wie die Handelskammer leiden unter dem Veränderungsdruck. Auf der einen Seite gibt es bei vielen Mitgliedern eine Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, in denen die ehrbaren Kaufleute meist im Konsens über die beste Vertretung ihrer Belange entschieden – und sich nicht unentwegt vor der Öffentlichkeit rechtfertigen mussten. Auf der anderen Seite aber sind immer mehr Mitglieder der Auffassung, dass Transparenz und eine offenere Streitkultur möglicherweise besser für alle Beteiligten seien.

Dass dieser Konflikt nicht ausgestanden ist, zeigt die herbe Niederlage, die die Kammerführung jetzt in ihrem eigenen Parlament bei dem Versuch erlebte, die Satzung im Sinne einer Restauration alter Tugenden zu verändern.

Das Signal ist deutlich. Die Kammer wird sich weiter öffnen und modernisieren müssen. Schaden wird ihr das nicht. Im Gegenteil.