Meinung
Kommentar

Elbphilharmonie: 675 Millionen Euro Lehrgeld

Debakel bei Hamburger Konzerthaus bleibt ohne juristisches Nachspiel.

Die Elbphilharmonie ist eine Geschichte voller Pleiten und Pannen. Eine Story von Größenwahn und Gigantomanie. Eine Blaupause für öffentliches Bauen, wie es so zukünftig nicht noch einmal geschehen darf.

Aber sie ist kein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Wie kann das sein? Schließlich wurden aus den – absurd unrealistischen – 114 Millionen Euro, die das Parlament für das Jahrhundertbauwerk an der Elbe anfangs bewilligt hatte, am Ende 789 Millionen. Wird dafür niemand zur Rechenschaft gezogen?

Doch. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) der Bürgerschaft hat nach mehr als dreijähriger Arbeit und zahlreichen äußerst intensiven Zeugenvernehmungen die Hauptverantwortlichen an dem furchtbaren Kostendebakel benannt.

Zu allererst den damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und seinen Staatsrat Volkmar Schön (CDU), denen das Projekt buchstäblich über den Kopf gewachsen ist. Außerdem Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos), die sich von den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron verzaubern ließ. Architekten, die sich in Hamburg ausgetobt haben und zudem mit der höchst anspruchsvollen Planung des in luftiger Höhe aufgehängten Konzertsaals zwischen Fünf-Sterne-Hotel und Luxus-Appartements nicht nachkamen. Ein Baukonzern Hochtief, der das gnadenlos ausgenutzt hat. Ein ReGe-Chef Hartmut Wegener, der mit seiner Hauruck-Mentalität und seinen Alleingängen irgendwann zum Scheitern verurteilt war. Die Liste ließe sich munter verlängern.

Aber kritikloser Dilettantismus unterscheidet sich zum Beispiel von arglistiger Täuschung in einem wesentlichen Punkt – es fehlt der Vorsatz. Und wenn der nicht nachzuweisen ist, dürfte auch ein Ermittlungsverfahren am Ende nur schwerlich zu einer Anklage, geschweige denn später zu einer Verurteilung der Angeklagten führen.

Die Hamburger werden die zusätzlichen 675 Millionen Euro für ihr neues Konzerthaus also wohl oder übel unter Lehrgeld abbuchen müssen. Die gute Nachricht: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann dieses Geld durch die architektonische Sensation an der Elbe wieder eingespielt werden wird.