Meinung
E-Mail-Wechsel

Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, was ist mit der Großen Koalition los? Langer Krisengipfel in der vergangenen Woche, trotzdem am Ende keine schönen Bilder, nicht mal nette Statements: Ist das der Anfang vom rot-schwarzen Ende? Oder hat Sigmar Gabriel einfach genug von Merkels Übermacht?

Christoph Schwennicke: Ab jetzt ist Schluss mit hutschikutschi. Der Ehevertrag ist abgearbeitet. Neue gemeinsame Projekte gibt es nicht. Merkel profitiert von der Bündnistreue der Sozis. Von jetzt an werden die vor allem auf sich selbst und ihr eigenes Glück schauen, vielleicht sogar eine Sollbruchstelle markieren.

Haider: Ganz schön früh. Riskieren Gabriel und Co. damit nicht, dass die Koalition noch vor der nächsten Wahl zusammenbricht?

Schwennicke: Darin liegt ein Risiko – und eine Chance. Bismarck hat mal sinngemäß gesagt, dass man gut daran tue, einen Kriegsgrund zu wählen, der auch nach dem Krieg noch trage. Wenn die SPD einen solchen Anlass findet, kann sie einen Bruch riskieren, bevor sie zum dritten Mal von Merkel zur Schlachtbank geführt wird.

Haider: Was könnte der Bruch sein, wofür würde es sich aus SPD-Sicht lohnen, die Regierung aufzukündigen? Dass die Union den Bürokratiewahn beim Mindestlohn nicht mitmachen will, dürfte ja kein Grund sein.

Schwennicke: Die NSA-Affäre. Wenn sich verdichtet, dass das Kanzleramt unter Thomas de Maizière längst wusste, was die Amerikaner treiben, ist das so ein Grund. Und der Anlass ließe sich ausbauen. Um TTIP, das Freihandelsabkommen, das hier mehr Feinde als Freunde hat. Platt gesagt: Mit Antiamerikanismus hat schon mal ein SPD-Kandidat (als Kanzler) erfolgreich Wahlkampf gemacht.