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Vorsicht Pakistan: Der gefährlichste Staat der Welt

Thomas Frankenfeld

Thomas Frankenfeld

Foto: Andreas Laible / HA

Pakistan, die instabile islamische Atommacht, richtet sich strategisch neu aus. Das Verhältnis zu Saudi-Arabien verschlechtert sich dramatisch

Pakistan, die islamische Republik in Südasien, gilt vielen politischen Analysten als potenziell gefährlichster Staat der Welt. Das Land mit seinen bald 200 Millionen Einwohnern, 1947 aus den vorwiegend muslimischen Gebieten Britisch-Indiens entstanden, ist politisch und wirtschaftlich notorisch instabil. Während der dritten Militärdiktatur unter General Zia ul-Haq zwischen 1977 und 1988 kam es zu einer massiven Islamisierung, bis heute fehlen dem Land demokratische Traditionen. Teile Pakistans sind unter die Kontrolle radikalislamistischer Milizen wie der Taliban geraten, die sich mit der Armee erbitterte Kämpfe liefern.

Kompliziert wird das Bild durch den Umstand, dass der mächtige Geheimdienst Inter Services Intelligence (ISI) im Verdacht steht, mit al-Qaida, den Taliban und anderen radikalislamischen Terrorgruppen wie dem Haqqani-Netzwerk eng zu kooperieren und sie mit Geld, Waffen und Ausbildern zu unterstützen. Der ISI, ein Staat im Staate mit eigener Außenpolitik, hat nach amerikanischen Erkenntnissen mehrfach sogar die Planung für Terroranschläge übernommen.

Doch gefährlich wird Pakistan erst dadurch, dass dieses Land über eine auf bis zu 150 Sprengköpfe geschätzte Atomstreitmacht verfügt. Und ausgerechnet dieses Land übernimmt nun in mehrfacher Hinsicht eine strategische Schlüsselrolle. Zum einen im Mittleren Osten – namentlich im Konflikt zwischen den Truppen Saudi-Arabiens und den von Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen. Zum anderen verabschiedete das pakistanische Parlament eine Resolution, dass Saudi-Arabien in diesem Kampf nicht unterstützt werde.

Wie die „New York Times“ berichtete, reagierte der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargash, mit der Warnung, Pakistan werde „den Preis“ dafür zahlen, in einer „existenziellen Konfrontation“ eher die Interessen Irans als seiner Verbündeten am Persischen Golf zu vertreten. Saudi-Arabien ist der Erzfeind Irans; wiederholt soll der verstorbene saudische König Abdullah die USA und sogar Israel aufgefordert haben, den Iran zu bombardieren und der „Schlange den Kopf abzuschneiden“.

Pakistans Innenminister Chaudry Nisar Ali Khan antwortete auf die Äußerung von Minister Gargash, es sei „inakzeptabel“ für ein befreundetes Land, Drohungen auszustoßen. Die Verschlechterung im Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Pakistan ist dramatisch und kann weitreichende Folgen für die strategische Lage Saudi-Arabiens haben. Die Saudis haben immerhin Pakistans Atomwaffe mit Milliardensummen finanziert – und haben angeblich sogar Zugriff auf etliche pakistanische Sprengköpfe auf der Luftwaffenbasis Minhas in Kamra nahe Islamabad. Pakistan wiederum hat die Saudis mit Truppen unterstützt und ist bislang erklärtermaßen militärische Schutzmacht der Saudis – so wie die USA eine Schutzgarantie für Japan abgegeben haben. Die Veränderung im bilateralen Verhältnis ist offenbar Ausdruck einer politischen Neuorientierung Pakistans. Dem Diktat der Saudis will man sich nicht länger beugen.

Islamabad hat zudem ein Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit mit Südkorea unterzeichnet. Vor allem aber ist Pakistan gerade eine wirtschaftliche Allianz mit China eingegangen, die von geostrategischer Bedeutung ist. Peking investiert rund 46 Milliarden Dollar in Pakistans Infrastruktur. Es geht um Häfen, Eisenbahnen, Kraftwerke, Straßen und mehr. Es entsteht eine moderne Seidenstraße, die ökomischen, aber auch militärischen Interessen dient. China baut den westpakistanischen Hafen von Gwadar massiv aus und wird ihn auch betreiben. Damit erhält das Reich der Mitte Zugang zum Arabischen Meer und verkürzt seine Transportwege auch nach Europa erheblich.

Peking will das Bündnis mit dem unsicheren Kantonisten Pakistan allerdings auch dazu benutzen, den virulenten islamistischen Terror von seinen Grenzen fernzuhalten. Denn neben al-Qaida und den Taliban hat sich nun auch der „Islamische Staat“ in Pakistan eingenistet und nimmt die islamischen Regionen Chinas wie die Unruheprovinz Xinjing ins Visier.