Meinung
Nachspiel

Klopps Abschied nach einer Frustsaison

Jürgen Klopp hat in letzter Zeit nicht nur richtige Entscheidungen getroffen. Ciro Immobile zum Beispiel – keine Witze mit Namen jetzt, auch wenn es schwerfällt. Die Rückkehr von Shinji Kagawa, seine Werbung für Tapetenkleber. Alles fragwürdig. Sein Abschied von Borussia Dortmund zum Saisonende aber war die richtige Entscheidung. Vielleicht allerdings hätte er sie schon letztes Jahr treffen sollen.

Dem BVB wäre wohl eine Frustsaison erspart geblieben, das Trainerdenkmal Klopp hätte noch glänzend dagestanden, ohne Risse und ohne Patina. Noch dünnhäutiger scheint der zu Wutanfällen neigende Fußballlehrer in der sportlichen Krise geworden zu sein, noch oberlehrerhafter und bissiger in seinen Presseantworten, noch wilder im „Gespräch“ mit den Schiedsrichtern, nervöser, angeknockt.

Er wird gemerkt haben, dass sich sein Zauber verbraucht hat. Er hat Talente zu Stars geformt, aus Burschen wurden Persönlichkeiten. Die folgen irgendwann nicht mehr, die hinterfragen. Auch, warum der Trainer mehr Werbeverträge hat als sie, die Weltmeister. Warum er im TV Autos fährt, sich rasiert, Tapeten klebt, für Banken durch den Wald läuft. „Klopp wurde größer als sein Team. Dass die Spieler davon früher oder später die Schnauze voll haben, ist klar“, meint dazu der Schweizer Eishockeytrainer Arno Del Curto, der mit Davos fünf Titel gewann. Vielleicht hat er recht.

Noch hat Klopp den Ruf, ein großer Trainer zu sein. Seine Entscheidung jetzt ist völlig richtig.

2016 wird beim FC Bayern wahrscheinlich ein Job frei.