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Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, es ist bei der Hamburg-Wahl vieles so gekommen, wie Du es vorher gesagt hast – nur will der Scholz jetzt tatsächlich mit den Grünen koalieren. Was wird mit Deinem Tipp einer großen Koalition? Wobei groß bei knapp 16 Prozent für die CDU ja relativ ist …

Christoph Schwennicke: Da muss ich ja dann wohl einen ausgeben, oder? Aber wir warten damit, bis die Tinte auf dem Koalitionsvertrag trocken ist, einverstanden? Aber Gegenfrage: Was ist denn dran an der Behauptung, Scholz mache verstohlen auch der FDP Avancen?

Haider: Das muss er aber sehr verstohlen machen :-) Nein, der macht jetzt Rot-Grün, und die Grünen werden ein einfacher Partner sein. Die waren ja schon im Wahlkampf handzahm. Am Ende wird diese Stadt von Olaf Scholz regiert, nach diesem Ergebnis sowieso. Was meinst Du, hat die Merkel jetzt richtig Angst vor ihm?

Schwennicke: Ihren Angstschweiß weht es bei Westwind förmlich schon vom Kanzleramt hierher ins Büro.

Haider: Du sollst ja einen sehr interessanten Vortrag über die Kanzlerin vor einem kleinen Kreis in Hamburg gehalten haben. Verrätst Du mir, was Deine Kernthesen waren?

Schwennicke: Du hörst offenbar jeden Halm wachsen in Hamburg. Es ging um die Frage „Mysterium Merkel – warum die Kanzlern nicht vergeht“. Acht Eigenschaften von ihr habe ich aufgezählt. Eine passt hier gut: sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Haider: Mehr!!

Schwennicke: Sie strengt nicht an, deshalb gibt es im zehnten Amtsjahr wenig Überdruss an ihr. Sie sediert das Land politisch, zum Nachteil für den Wettstreit der Ideen, aber zu ihrem Vorteil. Sie ist blitzschnell im Kopf. Der Rest beim Bier und der Einlösung meiner verlorenen Wette.