Meinung
Matz ab

Kein Platz für Vereins-Größen

Bei der Wahl des HSV-Präsidiums gibt es pro Posten nur einen Kandidaten. Hrubesch, Hieronymus oder Jakobs bleiben außen vor

„Das Wahlproblem: Wen soll ein wählerischer Mensch denn wählen?“ Diese Frage hatte einst der Schriftseller und Satiriker Gabriel Laub gestellt. Und genau vor dieser Frage stehen an diesem Sonntag wieder einmal die Mitglieder des HSV, denn an diesem 25. Januar findet im CCH die Jahreshauptversammlung statt. Es darf und soll beim HSV e. V. gewählt werden. Gesucht wird offiziell ein neues Präsidium, das eigentlich aber schon gefunden worden ist, denn der Beirat hat exakt drei Männer auserwählt, die nun nur noch gewählt werden müssen.

Präsident soll Jens Meier werden; Hamburgs Hafen-Chef war schon HSV-Aufsichtsratschef. Henning Kinkhorst, bislang Vorsitzender der HSV-Amateurabteilung, soll Vizepräsident werden und Dr. Ralph Hartmann der Schatzmeister.

Ja oder nein, das ist hier die Frage. Und die einzige Wahl. Der „wählerische Mensch kann also nur wählen“ zwischen Zustimmung oder Ablehnung. Mit dieser Maßnahme, so wünscht es der Beirat, soll in der Phase des HSV-Neubeginns ein erneut heißer und harter Wahlkampf vermieden werden.

Dieser hatte zuletzt zu einer starken Polarisierung und damit auch zu einer Vertiefung von Gräben und Lagerbildung geführt. Wörtlich schrieb der Beirat an die HSV-Mitglieder: „Wir wünschen uns deshalb, dass diese Wahlvorschläge auch in der Mitgliederversammlung von einer ganz breiten Mehrheit der Mitglieder getragen werden, so dass der Verein, seine Führung und seine Mitgliedschaft aus dieser Versammlung in Einheit und Stärke herausgehen wird.“

Tatsache – und kein Scherz: Mit dieser so anberaumten Wahl wandelt der HSV auf den Spuren des großen FC Bayern. Denn in München gibt es bei Wahlen stets nur einen Kandidaten für einen Posten. Dass die Initiative HSVPlus, die im Sommer 2014 für die neuen Strukturen innerhalb des HSV gekämpft und dann auch mit der Mehrheit von fast 87 Prozent gesiegt hat, ein etwas anderes Wahlrecht gewünscht und vorgesehen hatte, spielt, wegen der Suche nach der neuen Ruhe im Club, keine Rolle (mehr).

Dass es inzwischen eine Initiative namens „HSV-voran“ gibt, die gegen alte Seilschaften im HSV ankämpft, möchte ich quasi nur am Rande erwähnen. Diese HSV-Mitglieder stehen für einen immer noch total „runderneuerten“ HSV und verschickten kürzlich 1000 Briefe, in denen unter anderem zu lesen war: „Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht.“

Und: „Einige der Personen, die den Niedergang unseres Vereins mit zu verantworten haben, aber dies nicht eingestehen können, versuchen erneut, massiv Einfluss auf die Geschicke unseres HSV zu nehmen . . .“ Das mag so sein. Mir aber tut vor allem immer noch weh, dass verdienstvolle HSV-Größen wie Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs oder auch Horst Hrubesch, die seinerzeit für „HSVPlus“ gekämpft, viele Stunden geopfert und viele Kilometer abgerissen haben, in diesem neuen HSV keinen Platz gefunden haben. Sie kamen einst mit den besten Vorsätzen, sie wollten helfen, diesem schwer angeschlagenen HSV neues Leben einzuhauchen, aber sie blieben fast alle (außer Thomas von Heesen im Aufsichtsrat) außen vor.

So hat der HSV seit September 2014 wieder einmal eine große und geschichtsträchtige Chance vertan – aber bis heute immer noch nichts daraus gelernt. Und, so befürchte ich, so wird es auch in der nächsten Jahrzehnten bleiben.

Es wird sich zwar in Sachen Wahlen schon am Vorbild FC Bayern orientiert, nur dass die Führung in München fast alle große und ehemalige Spieler sind, das ist noch immer nicht bis nach Hamburg vorgedrungen. Schade.

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