Meinung
Muss Hamburg mehr für Radfahrer tun?

Vorrang fürs Rad? Das kann Hamburg sich nicht leisten

Was Hamburg seit nun schon einigen Monaten unter dem Deckmantel der Fahrradförderung macht, passt nicht zu dieser Stadt. Zentrale Routen in Fahrradstraßen umzuwandeln, auf denen Autofahrer bestenfalls noch geduldet werden – das kann beispielsweise der Stadtrat von Stade gern tun, der Senat der Hansestadt Hamburg sollte es besser lassen.

Wohl kaum eine andere Stadt in Deutschland ist so sehr auf einen funktionierenden (Wirtschafts-)Verkehr angewiesen wie Hamburg. Die Stadt verhält sich aber so, als gäbe es nichts Wichtigeres, als den Fahrradverkehr auf Kosten der Autofahrer anzukurbeln.

Rad fahren macht Spaß, hält gesund, und ökologisch betrachtet, gibt es auch kein besseres Verkehrsmittel. Das Rad kann das Auto ergänzen – ersetzen kann es es aber nicht. Sicherlich wäre es toll, wenn der Fahrradverkehr weiter ausgebaut werden könnte, ohne Straßen für Autos massiv zu verengen oder Fußgängern Platz wegzunehmen. Und überall dort, wo das möglich und sinnvoll ist, sollte Hamburg den Umbau auch einleiten. Aber auf vielen Straßen ist der Konflikt unauflösbar – mangels Platzes. Sie sind einfach zu eng, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Und dann gibt es noch solche Straßen wie die an der Alster, wo der Ausbau zu Fahrradstraßen komplett überflüssig erscheint.

Es dürfte kaum einen Radweg geben, auf dem es mehr Spaß macht zu fahren als auf der Route am Harvestehuder Weg. Etwa zwei Meter breit, abgetrennt von Straße und Fußweg, in einem guten Zustand – und gratis dazu gibt es den wunderbaren Blick auf die Alster. Warum nun ausgerechnet diese Straße in einen Verkehrsweg mit Vorrang für Radfahrer umgebaut wird, erschließt sich selbst denwohlmeinendsten Radfreunden kaum noch. Sollte der bestehende Radweg tatsächlich zu schmal sein – warum wird er dann nicht einfach ausgebaut?

Es scheint, als wolle die Landesregierung mit Macht wankelmütige Grünen-Sympathisanten überzeugen, am 15. Februar kommenden Jahres doch bitte SPD zu wählen. Geht diese Strategie auf, dann bleibt nur zu gratulieren.

Doch was, wenn Autofahrer zunehmend genervt von Busbeschleunigungsprogrammen, Dauerstau und Konflikten mit Radfahrern diese sozialdemokratische Strategie wenig überzeugend finden? Wenn überzeugte Radfahrer dann doch lieber das grüne Original wählen statt die rote Kopie? Dann werden sich die Sozialdemokraten wohl mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, in einer Sackgasse gelandet zu sein.