Meinung
Kommentar

Pro Halloween: „Ich geb Süßes!“

Hallo Spaßbremsen, ihr mögt den Halloween-Trubel nicht? Tut ihn als US-Firlefanz ab? Stänkert religionskritisch gegen ihn? Eines schafft ihr Gott sei Dank nicht: den beliebten Brauch wieder abzuschaffen.

Und das ist gut so. Denn viele Gelegenheiten, mit Gleichaltrigen fantasievoll verkleidet loszuziehen, singend bei Nachbarn anzuklingeln oder lustige Sprüche aufzusagen, haben die Kinder im Norden leider nicht. Karneval oder Fasching? Sind hier tabu. Am St. Martinstag (11. November) mit Laternen sich singenderweise „Süßes oder Saures“ zu ergattern, wie im Rheinland, kennt hier auch niemand. Der Norden ist von protestantischer Kühle. Die ländliche Sitte des Rummelpott-Laufens, bei dem Kinder am Silvesterabend verkleidet und singend von Tür zu Tür ziehen, ist nie richtig bis Hamburg vorgedrungen.

Absurd ist der Vorwurf, Halloween sei heidnischen Ursprungs. Selbst das christliche Allerheiligen, auf das Halloween von der Wort-Herkunft zurückgeht (All Hallows’ Eve), war im ersten Jahrhundert noch ein allen römischen Göttern im Pantheon geweihtes Fest. Die Christen haben Heidenbräuche gern in ihrem Jahreskreis vereinnahmt. Das war naheliegend und praktisch: Der Festtag blieb, Inhalte und Anlass wechselten. Wegen keltisch-heidnischen Ursprungs Halloween ablehnen? Wer diesen Maßstab konsequent umsetzt, kann auch manch christliches Fest beerdigen.

Die Vehemenz, mit der Spielverderber, wie die sonst geschätzte Margot Käßmann, gegen Halloween wettern, hat weniger theologische als emotionale Gründe. Die Enttäuschung, dass der für Protestanten wichtige Reformationstag im Kommerztrubel und im Zuge der schön-schaurigen Halloween-Kostüme untergeht. Dabei sollten die zur knöchernen Nüchternheit neigenden Protestanten lieber ihr zum Reformationstag passendes Lied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ als Parole begreifen, über ihren Schatten springen, das kindliche Treiben zu Halloween als fröhliche Randerscheinung des Reformationstags akzeptieren und eifrig „Luther-Bonbons“ verteilen, die Bonsche mit dem Konterfei des Reformators.

Wem Halloween zu bunt wird, kann dem ja einfach entfliehen. So wie karnevalsmuffelnde Katholiken aus dem Rheinland, die Rosenmontag zum Einkaufen nach Hamburg fahren. Also, Halloween-Gegner, auf nach Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen! Dort ist der Reformationstag Feiertag. Niemand klopft an eure Tür, ihr habt viel Zeit zum Nachdenken. „Spaß muss sein“ gilt nicht für jeden.