Meinung
Kommentar

Weniger Tempo und mehr Respekt auf Hamburgs Straßen

Radfahren darf wie Autofahren nicht zur Ideologie werden

Ohne Zweifel, das Radfahren in Hamburg wird derzeit weit mehr gefördert als in den Jahrzehnten zuvor. Leichter wird es dadurch aber nicht. Noch nicht, muss man wohl sagen. Zurzeit befindet man sich in einer Art Umbruchphase: Die Behörden lassen immer neue Radfahrstreifen auf den Straßen anlegen – wie gerade vor den Landungsbrücken. Und auch die Benutzungspflicht von Radwegen wird an vielen Ecken der Stadt aufgehoben. Dort darf man dann auf der Fahrbahn radeln. Allerdings: Die Streifen enden oft abrupt, genauso wie die neue Radler-Freiheit auf der Straße. Schlicht deshalb, weil ein Umbau zu einer besseren Fahrradstadt Zeit braucht. Was ist wo erlaubt und was nicht? Darüber gibt es angesichts vieler Neuerungen derzeit oft Verwirrung bei den Verkehrsteilnehmern – und nicht selten unterschiedliche Auffassungen, manchmal auch ärgerliches Gehupe von der einen, eindeutige Handzeichen von der anderen Seite.

Gut, dass die Innenbehörde deshalb mit neuen Schildern ein wenig mehr Klarheit schafft. Wo die Benutzungspflicht für Radwege gefallen ist, weisen sie explizit darauf hin, dass man dort nun auch auf der Straße radeln darf – selbst wenn es immer noch einen Radweg parallel gibt.

Diese Schilder aber dürften nur ein kleiner Baustein sein, um das Verkehrsgeschehen auf den Straßen unserer Stadt ein wenig entspannter zu gestalten. Klar kommen Radfahrer durch Autofahrer gelegentlich in bedrohliche Situationen. Doch machen wir Radfahrer uns nichts vor: Etliche Pedalisten interpretieren die Straßenverkehrsordnung sehr eigenwillig. Eine verhärtete Front nützt daher niemandem. Autofahrer sollten akzeptieren, dass immer mehr Mitbürger das Rad als Alltagsfahrzeug nutzen und genauso wie sie zügig durch die Stadt kommen wollen. Radler hingegen sollten akzeptieren, dass der Umstieg aufs Rad keine Ideologie sein darf. Autofahren hat genauso seine Berechtigung und ist für viele schlicht notwendig. Wenn Radler und Autofahrer künftig immer häufiger die Fahrbahn teilen, gibt es nur einen Weg. Weniger Tempo, mehr Rücksicht und mehr Respekt vor den Regeln. Dann sollte es funktionieren.