Meinung
Leitartikel

Olympia in Hamburg: Senat darf nicht nachgeben

Wann die Bürger zu Olympia in Hamburg befragt werden, ist auch ein Kostenproblem

Wer das Hamburger Konzept für Olympische Sommerspiele aufmerksam studiert, kann sich seiner Faszination kaum entziehen. Spiele am Wasser, mitten in der Stadt, konsequent nachhaltig geplant. Mit einem Olympiastadion in Modulbauweise, das später als deutlich kleinere Leichtathletik-Arena dient. Einer Olympiahalle, die zum Kreuzfahrtterminal umgerüstet werden kann. Grüne Spiele, die meisten Arenen wären zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.

Der Weg zu den Ringen wird dennoch alles andere als ein leichter. Die Hansestadt muss im nationalen Vorentscheid Berlin ausstechen. Und die Bürger überzeugen, dass sich die Milliarden-Investition langfristig rentieren wird. Dank neuer Sportstätten, neuer Verkehrswege – und vor allem durch einen enormen Schub für die weltweite Bekanntheit. Städte wie Barcelona oder Sydney haben vom olympischen Feuer enorm profitiert.

Auf den ersten Blick scheint die Frage, ob man vor dem nationalen Entscheid zwischen Hamburg und Berlin die Bürger befragt oder erst danach, nicht von zentraler Bedeutung zu sein. Und doch ist genau dieses Prozedere immens wichtig.

Verständlicherweise möchte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) genau wissen, ob sich die Mehrheit der Bürger der auserkorenen Stadt wirklich zu Olympia bekennt. Die Spitzenfunktionäre sind durch das gescheiterte Referendum in München für die Olympischen Winterspiele 2022 regelrecht traumatisiert. Im November 2013 hatte der Bürgerentscheid die Bewerbung geschreddert. Eine solche Blamage will der DOSB nicht noch einmal erleben.

Dennoch darf der Senat in dieser Frage nicht nachgeben. Ein Referendum hat nur Sinn, wenn vorab die Kosten für Wettkampfstätten und Infrastruktur genau kalkuliert werden – genau diese Kostenfrage wird für die meisten Bürger bei der Abwägung des Für und Wider entscheidend sein. Doch eine solche Kalkulation ist teuer. Experten rechnen mit einem zweistelligen Millionenbetrag, den die Stadt sofort abschreiben müsste, sollte sich der DOSB am Ende doch für Berlin entscheiden. Zudem müsste für einen solchen Volksentscheid, der nicht von Bürgern, sondern von der Regierung initiiert würde, eigens die Verfassung geändert werden. Nein, dieser Preis für die Ringe wäre zu hoch.

Hamburg muss darauf hoffen, dass auch der Konkurrent Berlin an dem bisher vereinbarten Modus – erst DOSB-Entscheid über die Stadt, dann Referendum – festhält. Am besten wäre es, wenn beide Bewerber dem Verband klarmachen, dass es zu diesem Weg keine Alternative gibt.

Zudem hat der Verband die Möglichkeit, über vergleichsweise kostengünstige repräsentative Umfragen die olympische Stimmung in beiden Städten auszuloten. Natürlich ist dieses Meinungsbild ohne seriöse Kosteneinschätzung kaum mehr als ein erstes Indiz. Aber in der Frage der Ringe gibt es nun einmal keine Vollkasko-Versicherung. Zudem hat es der DOSB durchaus auch selbst in der Hand, für olympische Begeisterung in der dann gekürten Kandidatenstadt zu sorgen. Mit Imagekampagnen, mit Diskussionsrunden mit Spitzensportlern und Werbetouren durch die Vereine.

Gerade die aktuelle Bewerbung um die Winterspiele 2022 zeigt, dass sich der Kampf um den olympischen Traum lohnen kann. Dem IOC sind inzwischen sieben Bewerberstädte weggebrochen, auch Wintersport-Hochburgen wie St. Moritz, Oslo oder eben München haben vor dem Hintergrund immenser Kosten oder mangelnden Zuspruchs der Bevölkerung verzichtet. Übrig geblieben für 2022 sind Peking und Almaty in Kasachstan. Damit sollte auch dem letzten Betonkopf im IOC klar sein, dass die Reform in Richtung zu nachhaltigen und bescheidenen Spielen keine Sprechblase mehr sein darf. Hamburg wäre für diesen Kurs das richtige Signal.