Meinung
Kolumne

Alles fürs Weltklima

Das Auto stehen lassen? Auf Fleischgerichte verzichten? Umfrage zeigt, wozu die Deutschen bereit sind, um das Weltklima zu retten

Wer wissen will, wie Deutschland tickt, muss nur genügend Geduld aufbringen, denn früher oder später liefern Umfrageergebnisse jeden gewünschten, sinnbefreiten Wahnsinn aus dem Alltag der Republik. Stellen wir uns also zur Rettung des Klimas folgende realitätsnahe Versuchsanordnung vor: Drei deutsche Männer, hoffentlich charakterlich gefestigt, stehen vor der Wahl: Karre oder Kotelett? Und auch, wenn es ja für einen guten Zweck ist: Nur einer würde die Schlüssel rausrücken. Die anderen beiden würden also stoisch ins nächstbeste Stück Fleisch beißen, bevor sie einen astreinen Kavalierstart in den Asphalt fräsen, um zum nächsten Drive-in alter Schule zu fahren, in dem man mit der Frage „Hamse das auch mit Soja?“ Lokalverbot riskiert. Auf das Fleisch wiederum würde gerade mal einer von vier Männern verzichten und stattdessen stolz erhobenen Hauptes die energiepolitisch korrektere Grünkernsuppe in die Mikrowelle schieben.

Die Befindlichkeit-Experten von „Reader’s Digest“ wollten so etwas tatsächlich wissen und fanden über 1000 Menschen, die sich für eine Antwort auf ihre Fragen nicht zu schade waren. Und damit die Männer nicht die Einzigen sind, die komische Dinge von sich preisgeben, gab es auch für Frauen wunderbare Gedankenspiele: Würden sie zweimal die Woche vegetarisch essen gegen die Klimakatastrophe, also quasi Dinkel kauen statt Atomstrom schlucken?

37 Prozent bissen an, obwohl nicht klar ist, warum nur zweimal wöchentlich Fleischfreies an die Gabel soll statt viermal. Oder täglich. Oder in allen Monaten mit 31 Tagen, aber nur, wenn Westwind weht und der HSV keine Angst mehr vor der 2. Liga haben muss.

Besonders bedenklich allerdings: Seitan-Bratlinge und Spaziergänge sind eine weniger erschreckende Vorstellung als der Verzicht auf stromfressende Unterhaltungselektronik. Den würden nur 15 Prozent aushalten wollen. Alle anderen machen also lieber Handy-Fotos für Facebook von ihrem Schnitzel in ihrem Auto.