Meinung
Kommentar

Reißt die Esso-Häuser ab!

Die maroden Bauten auf St. Pauli taugen nicht zum Symbol

Schauspieler Peter Lohmeyer, Sänger Jan Delay, die Aktivisten der Recht-auf-Stadt-Bewegung sowieso: Sie alle gehören zum großen Chor derjenigen in Hamburg, die immer wieder den Erhalt der maroden Esso-Häuser an der Reeperbahn fordern. Längst sind die baufälligen Riegel damit zum Symbol geworden. Ein Symbol im Streit um die Zukunft der Stadt, wo angeblich sterile Investoren-Architektur wie im benachbarten Bavaria-Quartier das Pittoreske verdrängt und kein Platz für Menschen mehr ist, die in Gebäuden wie den Esso-Häusern noch günstig wohnen können.

Wohnen müssen, wäre allerdings richtiger. Denn die Evakuierung wegen gravierender Statikschäden an diesem Wochenende hat dramatisch gezeigt, wie strukturell marode die in den 60er-Jahren gebauten Häuser sind.

Es ist aber grotesk und geht weit über berechtigte Sorgen zur Stadtentwicklung hinaus, den Verfall des Hauses den aktuellen Investoren und ihren Neubauplänen vorzuwerfen. Ein solcher kapitaler Schaden kann nur über Jahrzehnte entstanden sein, nicht weil man ein paar Jahre zu wenig in Fassadenfarbe investiert hat. Wer sollte auch Geld in die Häuser stecken, wenn ihre Zukunft so unsicher und umstritten ist, dass die Stadt selbst sogar ein Statikgutachten in Auftrag geben musste – nur um in dieser erbitterten Auseinandersetzung eine neutrale Diskussionsgrundlage zu bekommen. Das Ergebnis im Juni zeigte schon, dass die Häuser nicht mehr bewohnt werden können. Doch selbst daran gab es Zweifel, und die Forderung nach Erhalt blieb.

Es ist aber, wie es ist: Der Komplex ist marode, der Aufschub des Abrisses unverantwortlich. Und eine Sanierung dürfte extrem teurer als ein Neubau werden – und wer sollte sie bezahlen? Die Steuerzahler – nur um ein Symbol zu erhalten? Denn mit Verlaub: Ein architektonisch herausragendes Beispiel hanseatischer Baukunst sind die gelblichen Plattenbauten wohl nicht. Nein, der Kampf gegen das große Verdrängen aus der Innenstadt muss sich andere Fronten suchen. Spätestens dieses Wochenende hat gezeigt, dass das Festhalten an einem Symbol, nur um des Symbols wegen, gefährlich werden kann.