Meinung

Briefe an die Redaktion

Verquaste Äußerungen

26. August: "Kultursenatorin Kisseler: ,Kaputtsparen ist ein Kampfbegriff'"

Mario Kahn:

Solange die Kultur in Hamburg von jemandem vertreten wird, der sich derart verquast äußert wie Kultursenatorin Kisseler im Interview, müssen sich die Kulturschaffenden Hamburgs nicht darüber wundern, dass ein Drittel der Hamburger an der Kultur sparen möchte. Worthülsen wie "rhetorische Ambivalenz" und "ich konzediere" oder "Partikularinteressen" werden vielleicht von der Gesellschaftsschicht, für die in Hamburg Kultur gemacht wird, verstanden. Aber die Masse der Einwohner, die wahrscheinlich nie in den Genuss einer Aufführung in der Elbphilharmonie kommen wird, sieht sich hier in keiner Weise vertreten.

Falsche Adresse

26. August: "Entdeckung der Currywurststeuer"

Andreas Kaluzny:

Natürlich reizt eine solche Entscheidung zur Häme und Satire. Nur sollte man nicht auf Richter und Beamte herabsehen, denn die tun nur das, wozu sie qua Amtseid verpflichtet sind, nämlich dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Ersonnen haben diese Gesetze nicht die Beamten, sondern Politiker. Die Beamten haben lediglich, auch wie im Gesetz vorgeschrieben, den Willen der Politik umgesetzt. Wenn also Häme, dann an die richtige Adresse.

Missmanagement

26. August: "HSH Nordbank muss jede dritte Stelle streichen"

Albert Alten:

Das langjährige Missmanagement in der HSH Nordbank wird nun bis Ende 2014 auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen. Etwa 1200 Mitarbeiter werden in die Arbeitslosigkeit entlassen. Ob für jeden Dritten dieser Mitarbeiter in Hamburg und Kiel auch eine Millionen-Abfindung ausgehandelt wird, wie für den umstrittenen Ex-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher, darf mehr als bezweifelt werden.

Wirre Forderung

25. August: "Gewerkschaften: Polizeikritiker entlassen"

Holger Danske:

Es kann doch nicht mehr im Sinne einer freien Gesellschaft sein, wenn immer häufiger ein Berufsverlust für Andersdenkende gefordert wird. Die Polizeigewerkschaft hat sich mit dieser Forderung disqualifiziert. Warum es überhaupt eine Gewerkschaft für Beamte geben darf, ist mir bei solchen wirren Forderungen nicht mehr zu vermitteln.

Bogen überspannt

Bodo Adolphi, Polizeibeamter a. D.:

Die Polizeibediensteten haben zu Recht festgestellt, dass sie die seit Jahren zunehmende Gewalt selbst mental und körperlich zu spüren bekommen. Die Polizei, die Polizeigewerkschaften und der Personalrat haben es aus fürsorglichen Gründen öffentlich gemacht, und auch Innensenator Neumann steht hinter dieser Aussage. Ich weiß nicht, was den Kriminologen Behr getrieben hat, diese Aussagen ins falsche Licht zu setzen; vielleicht aus Frust oder Profilsucht. Herr Behr hat den Bogen mehr als überspannt und sollte von seiner Funktion als Ausbilder umgehend zurücktreten, denn die Vertrauensbasis zur Polizei ist nicht mehr gegeben. Und ernst wird ihn keiner mehr nehmen.

Falscher Ansatz

25. August: "Die geheimen Pläne für den Personalabbau"

Jürgen Pfestorf:

Eine leicht angepasste Rasenmähermethode (mit politischen Akzenten) bei den nötigen Einsparungen an Personal ist ein wenig brauchbares Mittel zur Sanierung des Etats. So etwas muss systematisch angegangen werden, nicht bürokratisch! Hamburg ist bekannt für eine schwerfällige und überfrachtete Verwaltung. Zuerst sollten Unternehmen und Bürger, und auch die eigenen Leute, gefragt werden, wo, wie und welche Vorschriften, Anforderungen reduziert oder gestrichen werden könnten. Und welche Funktionen unter einheitlicher Leitung zusammengefasst werden könnten, um Doppelarbeit zu vermeiden.

Hallervorden vermisst

25. August: "Der Vorbildliche: Wie viel Loriot steckt im deutschen Humor?"

Angelika Engels:

In dem Artikel habe ich schmerzlich den Namen Dieter Hallervorden vermisst. Wenn man zum Beispiel die Sketche "Ticketverkauf bei der Deutschen Bahn" oder "Deutsch für Türken" sieht, glaubt man nicht, dass es etwas Besseres gibt. Für mich jedenfalls nicht.

Sponsoren für die Kultur

25. August: "Ärmer ohne Kultur"

Alfred H. Röhr:

Der Leitartikel ist in der Aussage richtig, nur fehlt die Beurteilung der Befragten. Bei 29 Prozent der Befragten bezieht sich das Urteil auf die staatlichen Theater, wie Schauspielhaus, Staatsoper und Thalia mit sehr hohen Zuschüssen. Bestimmt haben auch nur 29 Prozent der Hamburger diese Theater besucht und kennen die finanzielle Situation. Viel mehr Hamburger kennen hingegen Schmidts Tivoli, Ohnsorg, St.-Pauli-Theater und wissen, dass diese kaum Zuschüsse bekommen. Für viele ist aber auch Kino, Fußball, Sport usw. Kultur. Bitte nicht falsch verstehen: Ich gehöre zum Förderkreis der Staatsoper und hier sollte, wie in Amerika, Kultur durch Sponsoren gefördert werden.

Wulff-Kritik berechtigt

25. August: "Wulff kritisiert Europäische Zentralbank"

Stefan Bluemer:

Nur weil Bundespräsident Wulff bisher sehr schweigsam war, sollte ihn jetzt niemand dafür rügen, dass er zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten Stellung bezieht und dabei den handelnden Politikern deutlich auf die Finger haut. Er hat doch vollkommen recht! Die jetzige Hungerkatastrophe in Ostafrika hat zwar mehrere Gründe. Einer davon ist aber auch die ungezügelte Profitgier der Finanzwelt, die schamlos und ethisch nicht haltbar ihre Termingeschäfte auch mit Nahrungsmitteln betreibt. Damit Millionäre scheffeln, müssen in armen Ländern Menschen verhungern.

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