Der Leserbotschafter hilft

Keine Einzelfälle: Steuerbescheide zu spät

Der Fall

Reinhard (71) und Ilse M. (64) sind verstimmt: Im März 2009 reichten sie ihre Einkommenssteuererklärung für 2008 beim Finanzamt Harburg ein - bis heute haben sie noch keinen Steuerbescheid erhalten. "Besonders ärgerlich ist die lange Wartezeit", schrieb das Ehepaar an den Leser-Botschafter, "weil wir nach Auskunft unserer Steuerbevollmächtigten mit einer Rückzahlung von 1200 Euro rechnen können." Und weiter: "Wir gewähren also der Stadt Hamburg seit mehr als einem halben Jahr ein zinsloses Darlehen."

Auch Abendblatt-Leser Martin M. schrieb unlängst empört, dass er seit fünf Monaten auf seinen Steuerbescheid warte, er hatte seine Steuererklärung für 2008 beim Finanzamt Wandsbek eingereicht.

Zunächst vertröstete man ihn, der Bescheid könne ein paar Wochen dauern. Dann sei eine Nachfrage "einfach ignoriert" worden, sagte er dem Leser-Botschafter und fragte: "Wie lange muss man in Hamburg denn auf den Steuerbescheid warten?"

Die Recherche

Nachfrage bei der zuständigen Finanzbehörde, dort ist das Problem nicht unbekannt. Der Leser-Botschafter deckt auf: Die beiden Beschwerden sind keine Einzelfälle. Er ermittelt, woran es liegt, dass Steuerbescheide bisweilen so spät erstellt werden. Der Grund: Alle Regionalfinanzämter werden derzeit neu organisiert.

Diese Neuorganisation, die in jedem Regionalfinanzamt mit internen Umzügen, Aktenneuverteilungen und kleineren Umbaumaßnahmen verbunden ist, "erfordert erhebliche Vorbereitungsarbeiten, die sich über ein Jahr erstrecken und in einer zweiwöchigen eingeschränkten Erreichbarkeit des Finanzamts, in der die Umzüge stattfinden, münden", sagt Finanzbehörden-Sprecher Daniel Stricker.

Im Detail: Jede Steuerakte bekommt eine neue Steuernummer, annähernd jede Steuerakte einen neuen Bearbeiter, und fast alle Kollegen beziehen neue Büros. Allein im Finanzamt Wandsbek, recherchiert der Leser-Botschafter, sind es rund 50 000 Steuerakten, die neue Steuernummern erhalten, die außer den Steueridentifikationsnummern zu verwenden sind.

Daniel Stricker von der Finanzbehörde: "Wir versuchen, dass alle Steuerangelegenheiten in Hamburg grundsätzlich so schnell und sorgfältig wie möglich bearbeitet werden. Im Einzelfall kann es jedoch leider immer einmal zu Überschreitungen der durchschnittlichen Bearbeitungszeit von sieben bis acht Wochen kommen."

Das Ergebnis

Noch ist nicht in Sicht, dass sich die Misere bessert. Stricker: "Die organisatorische Umstellung der Regionalfinanzämter mit rund 680 000 Akten wird nach und nach erfolgen und voraussichtlich Ende 2010 abgeschlossen sein." Aber: Martin M. erhielt seinen Steuerbescheid mittlerweile. Reinhard und Ilse M. warten noch auf Post vom Finanzamt.

Der Leser-Botschafter rät: Immer wieder nachfragen, am besten bei folgenden Mail-Addressen: Finanzämter erreichen Sie unter: FAHamburgxxx@finanzamt. hamburg.de - statt xxx setzen Sie den Namen des betreffenden Finanzamts ein. Oder mailen Sie ans Beschwerdemanagement der Finanzbehörde: steuerver waltung2@fb.hamburg.de

So erreichen Sie den Leser-Botschafter: Schicken Sie bitte Ihre Alltagsärger-Fälle, kurz skizziert, mit Ihrer Telefonnummer per E-Mail an: Leserbotschafter@Abendblatt.de oder an: Leser-Botschafter Ralf Nehmzow, Chefredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.