Fernsehen

ARD: Alle Infos zur neuen Online-Mediathek des Senders

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Karina Krawczyk
Um mehr junge Zuschauer zu erreichen, stellt die ARD künftig ihre Mediathek ins Zentrum und setzt verstärkt auf interaktive Zusatzangebote.

Um mehr junge Zuschauer zu erreichen, stellt die ARD künftig ihre Mediathek ins Zentrum und setzt verstärkt auf interaktive Zusatzangebote.

Foto: SWR/Thorsten Hein

Um junge Zuschauer zu erreichen, stellt die ARD künftig ihre Mediathek ins Zentrum und setzt verstärkt auf interaktive Zusatzangebote.

Berlin. "Kevin Kühnert und die SPD" ist ein gutes Beispiel dafür, wie es zukünftig laufen soll: Drei Jahre lang hatte der NDR für seine sechsteilige Doku-Serie den Juso-Chef mit der Kamera bei seinen Überlegungen begleitet, wie die SPD am besten zu retten wäre. Die Zuschauer honorierten Aufwand und intime Innensicht mit 300.000 Mediathek-Zugriffen pro Folge, mehr als bei jedem anderen dokumentarischen Format. Im linearen Fernsehen am 6. Oktober machte die Doku-Serie dagegen keine Quote – sie lief ab Mitternacht und nur einmalig im NDR-3-Programm.

Der ARD laufen die Zuschauer weg, zumindest die jungen: Nur noch 18 Prozent der Unter-49-Jährigen schauten 2020 lineares Fernsehen, Tendenz weiter fallend. Höchste Zeit für einen Strategiewechsel, der ab neuem Jahr die ARD-Mediathek ins Zentrum stellen wird: "Wir machen Inhalte für alle", versicherte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler bei der Pressevorstellung am Freitag, "aber holen die Zuschauer in Zukunft ab, wo sie gucken".

ARD: Die neue Streaming-Strategie des Senders

Im Auftrag der ARD hatte er ein Digital-Konzept entwickelt, wie die "hochwertigen Inhalte" der Öffentlich-Rechtlichen die Zuschauer – trotz veränderter Sehgewohnheiten – besser erreichen.

Dagegen sollen künftig alle Rundfunkanstalten der Arbeitsgemeinschaft ihre "primären Angebote" in die eine, die ARD-Mediathek stellen. Mit einem personalisierten Zugang können Zuschauer von dort die Inhalte auf "allen Divices" streamen. Und wie bei Netflix und Amazon Prime leichter finden, was sie interessiert, nur eben ohne zusätzliche Gebühren.

Dokus und mehr: ARD stellt Digital-Konzept vor

Vor allem hochwertige Dokus sowie Doku-Serien aus der Innensicht-Perspektive bestimmen die Neuentwicklungen der kommenden Monate. Zwei solcher Doku-Serien pro Monat sind geplant.

Dazu mehr Mitmach-Möglichkeiten für die Zuschauer: So liefert die ARD beispielsweise zum "Weltwassertag" am 22. März nicht nur einen vollen Mediathek-Thementag mit Dokumentationen, ergänzt durch einen investigativen Fernsehfilm, in dem sich die Hauptdarsteller Ulrich Tukur und Sebastian Bezzel darum streiten, wer die Wasserrechte in dem fiktiven Ort "Lauterbronn" erhält.

In einer Crowd-Science-Aktion können Zuschauer darüber hinaus in ihrer Region erforschen, wohin "unsere Bäche verschwinden" oder unter dem Stichwort "Wieviel Wasser brauchst du?" an verschiedenen Recherche-Projekten des Weltfriedensdienstes e.V. zum Wasser-Management teilnehmen, über den Aktionstag hinaus.

Bundestag: ARD liefert Dokumentationen in Mediathek

Bereits im Januar startet die Doku-Serie "100 Tage", die sechs Jung-Politiker aus Regierung und Opposition bei ihren ersten Schritten durch die neue Legislaturperiode begleitet: Lars Klingbeil (SPD), Ricarda Lang (Bündnis 90/ Grüne), Johannes Vogel (FDP), Timan Kuban (CDU), Katja Kipping (Linke) und Markus Frohnmaier (AfD). Die Dreharbeiten zu den acht Teilen à 25 Minuten laufen noch.

Das "Presenter"-Format, das bei den Alltags-Interviews auch die Vorgehensweise der beiden Reporter Miriam Davoudavandi und Jan Kawelke transparent macht, soll vor allem tiefere Einblicke in die Mechanismen der Politik geben.

Ähnlich hautnah begleitet bald darauf "Kids & Trouble" junge "Working Moms" durch ihren Alltag. Und hilft, auf die Zielgruppe der jungen Familien zugeschnitten, bei den großen Fragen rund ums Kinderkriegen: "Wie ist das, wenn man mit kleinen Kindern beruflich erfolgreich sein will?", fragt die vierteilige Mediathek-Reihe zum Beispiel, oder "Was kostet ein Kind?"

ARD fördert Video-Debatten im geschützten Raum

Ebenfalls ab Januar geht das neue plattformformbasierte Video-Debattenforum "MixTalk.de" online: Nach ihrer Registrierung können in dem geschützten Portal User und Userinnen, die sich sonst vielleicht niemals getroffen hätten, zu einem jeweils wöchentlich wechselnden, relevanten Thema miteinander diskutieren.

Die Pro- und Contra-Paarungen werden per Zufallsgenerator gematcht, und debattierten fünf Minuten lang, während die Community zuschaut, kommentiert oder im Chat mitdiskutiert. Ein Host achtet darauf, dass es fair und ohne Hass und Hetze zugeht. Besonders überzeugende Argumente oder Lösungsansätze will das MixTalk-Team dann aber auch an Verantwortliche weitergeben – auch das ist ein innovativer Versuch, über das Medium mehr Teilhabe an demokratischen Prozessen zu ermöglichen.

Auch die 16- bis 25-Jährigen hat die ARD als Zielgruppe noch nicht aufgegeben: Speziell für die "Generation Z" hat der SWR eine NewsApp entwickelt, die ab dem ersten Quartal 2022 ständig aktualisierte, passgenaue Nachrichten liefern wird. Auch dabei ginge es nicht nur um Pop, mehr um Politik, "aber aus anderer Perspektive berichtet", ergänzte Clemens Bratzler. Überraschenderweise hätte die an der Entwicklung beteiligte Community sich für eine App entschieden, da auch für sie "diese Plattform seriöser" sei als ein Angebot via Social Media.

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