TV-Experiment

Wie demokratisch sind wir wirklich? Der NDR will's wissen

| Lesedauer: 4 Minuten
Auf die Position kommt es an: Moderator Michail Paweletz mit der Gruppe von "Wie demokratisch bist du?"

Auf die Position kommt es an: Moderator Michail Paweletz mit der Gruppe von "Wie demokratisch bist du?"

Foto: NDR

Alle einbeziehen oder Mehrheitswillen durchsetzen: In einem Experiment testet der NDR, was Mitbestimmung bedeutet.

Hamburg.  Wie demokratisch bin ich wirklich? Und: Wie demokratisch ist Deutschland? Das fragen sich sieben Männer und Frauen in der NDR-Sendung „Wie demokratisch bist du? Das Experiment“ – stellvertretend für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Mit dabei sind eine junge Journalistin, ein pädagogischer Mitarbeiter ohne deutschen Pass, ein Theologiestudent aus Görlitz, eine pensionierte Altenpflegerin, eine Mutter, ein Landwirt und ein Controller.

Die jüngste Teilnehmerin ist 25 Jahre alt, die älteste Mitte 50 – vier von ihnen kommen aus Hamburg. Die Gruppe macht ihre Position in der Sendung wortwörtlich sichtbar: „In unserer Demokratie bin ich mit meiner Meinung und meinen Bedürfnissen gut vertreten“ – stimmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise dieser Aussage zu, gehen sie im Raum ein bis drei Schritte nach rechts. Sehen sie es anders, dann gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein bis drei Schritte nach links.

Diese Methode hat sich bereits im Januar bewährt, im Vorgängerformat „Wie rassistisch bist du?“ Begleitet wurden die Probanden damals wie heute von Tagesschau24-Moderator Michail Paweletz, der beide Formate gemeinsam mit Co-Autor Stefan Mühlenhoff entwickelt hat. „Die ,Lebendige Statistik‘ macht Positionen und auch den Entscheidungsprozess sichtbar. Wenn die Probandinnen und Probanden überlegen: ,Wo gehe ich hin, wie viele Schritte?‘ wird dieses Nachdenken sichtbar“, sagt Paweletz. „Und Zuschauende fragen sich sofort innerlich: ,Wäre ich auch nach links gegangen? Ach nee, so weit dann aber doch nicht.‘ Das erreicht den Zuschauer. Und so kommen auch Diskussionen in Gang.“

TV-Experiment: Was ist Demokratie?

Diskutiert wird dabei über die tatsächliche und die gefühlte Meinungsfreiheit – was man heutzutage sagen „darf“ und was man sagen „sollte“ – aber auch über Empathie und das Mitbestimmungsrecht von Minderheiten. Das Format ist in drei Folgen à zehn Minuten aufgeteilt, jede mit je einem eigenen Themenblock: der Stand der Demokratie in Deutschland, Volksentscheide und Bürgerräte. Expertinnen und Experten geben Hintergrundwissen zu den Diskussionen. „Ich hoffe, dass wir die wichtigen, zentralen Fragen ausgewählt haben, die die meisten Zuschauenden betreffen und beschäftigen“, sagt Paweletz. „Und, dass Zuschauende ins Gespräch darüber kommen, was unsere Demokratie sein soll: eine Regierung der Mehrheit oder ein Mittel, um alle mit einzubeziehen. Es ist eine Kommunikationsvorlage.“

Was also ist Demokratie: Auf jeden zu achten oder doch den Mehrheitswillen durchzusetzen – möglicherweise mit Volksentscheiden? Bei einer Übung zum Volksentscheid merken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der zweiten Folge, wie man von der vermeintlichen Mehrheit mit seiner Meinung zur Minderheit werden kann – und umgekehrt.

Applaus für die Demokratie

In der dritten Folge zu Bürgerräten entwickelt die Gruppe Vorschläge für die Politik, hier an der Aufgabe „Gestaltet gemeinsam einen Park“: Was soll auf der begrenzten Fläche entstehen und was nicht? Sind ein großer Rasen und ein Fußballplatz wichtiger als WLAN, Freilichtbühnen, Toiletten – und: warum?

Mutter Rebekka Gorges vergleicht den demokratischen Prozess damit, wie sie in ihrer Familie aushandelt, was an einem Sonntag gemacht wird: „Wenn jeder ein bisschen was von dem bekommt, was er haben möchte, ist es perfekt. Denn dann sind alle so ein bisschen glücklich.“ Dazu ergänzt Politikwissenschaftlerin Patrizia Nanz: „Wenn die Leute merken: „Es macht Spaß, gemeinsam Lösungen zu suchen“, dann sind sie oft beflügelt. Weil sie das Gefühl haben, eine gewisse Wirksamkeit zu erzeugen. Gerade auf lokaler Ebene sehe ich das immer wieder.“

Das zeigt sich auch in der Sendung: Am Ende und nach weiteren regen Diskussionen klatschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der NDR-Sendung – komplett spontan, wie Paweletz gegenüber dem Abendblatt betont. Ein Applaus für die Demokratie.

„Wie demokratisch bist Du? Das Experiment“: Der NDR zeigt alle drei Folgen am 13. September um 22.45 Uhr im „Kulturjournal extra“. Bei Tagesschau24 werden sie am 14. September um 21.45 Uhr zu sehen sein. Außerdem ist das Format in der ARD-Mediathek und auf Social-Media-Kanälen der „Tagesschau“ zu finden.

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