Hamburg

Ver.di: Streik beim NDR läuft "hervorragend"

Susanne Daubner im "Tagesschau"-Studio beim NDR in Lokstedt (Archivbild).

Susanne Daubner im "Tagesschau"-Studio beim NDR in Lokstedt (Archivbild).

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Gewerkschaft hat zu 51-stündigem Ausstand aufgerufen. NDR arbeitet an Ersatz-Programm, Auswirkungen waren bereits sichtbar

Hamburg. Der NDR in Hamburg steht aufgrund eines Streiks der Gewerkschaft Ver.di vor Einschränkungen seines Radio- und Fernsehprogramms. Das betrifft seit Donnerstag 0 Uhr auch die Flaggschiffe Tagesschau und Tagesthemen von ARD Aktuell. Ver.di hat alle Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Sender zu einem Warnstreik aufgerufen, der bis Sonnabendmorgen um 3 Uhr andauern soll, also insgesamt 51 Stunden.

Das sei von den Gewerkschaftern so beschlossen worden, sagte Ver.di-Gewerkschaftssekretär Lars Stubbe dem Hamburger Abendblatt. Man rechne mit mehreren Hundert Beschäftigten, die sich an dem zeitweiligen Ausstand beteiligen werden. Zuletzt seien es 400 NDR-Mitarbeiter gewesen.

Streikauswirkungen bereits am Donnerstagmorgen

Der NDR ist unterdessen bemüht, die Auswirkungen auf die Programme zu begrenzen. "Sollte eine aktuelle Sendung vom Warnstreik betroffen sein, werden wir ein Ersatzprogramm anbieten", sagte NDR-Sprecherin Iris Bents dem Abendblatt.

Bereits am Donnerstagmorgen waren die Folgen im ARD-Programm sichtbar: Susanne Daubner las die aktuellen "Tagesschau"-Nachrichten im "ARD-Morgenmagazin" zwar vor – doch musste sie dabei ohne Illustrationen auskommen. Weder stehende noch bewegte Bilder untermalten die Nachrichten: "Es ist Streik beim NDR", erklärte "Moma"-Moderator Till Nassif den Zuschauern. NDR-Sprecher Frank Jahn erklärte, es habe kein "Kollege für die Bildmischung" zur Verfügung gestanden. Über etwaige weitere Auswirkungen werde der NDR "in seinen Programmen, auf NDR.de sowie im Videotext" informieren, so Jahn weiter. Ver.di geht davon aus, das es zu weiteren Einschränkungen aufgrund des Streiks kommen werde.

Das fordert Ver.di von der ARD

Ver.di fordert in dem Tarifstreit sechs Prozent mehr bei Gehältern und Honoraren über eine Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hätten bislang für zwei Jahre je 2,25 Prozent angeboten und für die folgenden neun Monate ebenfalls. Der letzte Teil sei aber unter anderem an das zukünftige Finanzergebnis des Senders und die Höhe der Gebühren gekoppelt und könne deshalb sofort gekündigt werden.

Die Gewerkschaft orientiert sich am Ergebnis des öffentlichen Dienstes, der nach verschiedenen Berechnungen die Gehälter um rund acht Prozent (für 33 Monate) erhöht.

Seit Donnerstagmorgen informiert Ver.di die Mitarbeiter an allen Standorten über den Ausstand. "Die Stimmung ist gut", sagte Stubbe auf Abendblatt-Anfrage am Vormittag. Am Mittag sprach er von einem "bisher hervorragenden" Streikverlauf.

"Intendanten wollen Einkommen senken"

Am späten Vormittag waren rund 250 Teilnehmer bei einer Versammlung der Streikenden auf dem NDR-Gelände in Lokstedt, mit der der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden soll. Ver.di ist optimistisch, die Bilanz vom vergangenen Streik, als rund 400 Angestellte teilnahmen, erreichen oder sogar übertreffen zu können.

„Die Intendanten wollen die Einkommen der Beschäftigten dauerhaft senken. Substanz und Gestaltungsmöglichkeit werden dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk so geraubt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung ist dies unverantwortlich und gedankenlos“, sagte Martin Dieckmann, der Ver.di-Fachbereichsleiter Medien.

Die nächste Verhandlungsrunde ist laut NDR für den 26. November geplant.