Mord

Hamburger Fall bei „XY ungelöst“ mit neuen Spuren

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Daniel Herder und André Zand-Vakili
1995 wurde am Hemmingstedter Weg in Osdorf eine skelettierte Leiche gefunden (Symbolbild)

1995 wurde am Hemmingstedter Weg in Osdorf eine skelettierte Leiche gefunden (Symbolbild)

Foto: Philipp Schulze / dpa

Die skelettierte Leiche hatten Kinder 1995 in Osdorf entdeckt. Verbindung zu einem am "Mann mit Schubkarre"?

Hamburg. Mit Hilfe der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ wollen Ermittler der Mordkommission einen fast 22 Jahre alten Fall aufklären. Es geht um einen unbekannten Toten. Kinder einer damaligen Aussiedlerunterkunft am Hemmingstedter Weg 130 in Osdorf – heute befindet sich dort die Internationale Schule Hamburg – hatten während einer "Müllsäuberungsaktion" mehrere, in blaue Müllsäcke verpackte Leichenteile entdeckt. Die Ermittler stellten wenig später einen auffälligen Kopfkissenbezug (s.Foto) sicher.

Als sie großflächig das Gebiet absuchten, entdeckten sie ein vollständiges, männliches Skelett. Trotz des Zustands wurde festgestellt, dass der Mann einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. In der Sendung wurde nun erstmals ein Phantombild des Opfers gezeigt. Zusammen mit der Rekonstruktion des Umfelds der Tat versprechen sich die Ermittler neue Hinweise.

Immer wieder wurde in den vergangenen mehr als 20 Jahren versucht, den Unbekannten zu identifizieren – vergeblich. Nun gibt es einen neuen Ansatz. Mit einer Gesichtsrekonstruktion soll versucht werden, die Identität des Toten zu ermitteln.

Ermittlungstechniken immer besser

Dass Morde, die ohnehin niemals verjähren, auch nach langer Zeit noch aufgeklärt werden, ist selten, aber nicht unmöglich. Vor allem durch die DNA, die an früher eingelagerten Beweis­stücken haftet, konnten zuletzt immer wieder Täter ermittelt werden. Denn die Möglichkeiten, den „genetischen Fingerabdruck“ auch aus kleinsten Spuren zu extrahieren, wurden immer besser. Dass Fälle aber – wie hier beabsichtigt – durch eine Gesichtsrekonstruktion aufgeklärt werden, ist äußerst selten.

Das Opfer wurde nach Angaben der Polizei 1995 wie folgt beschrieben: männlich, etwa 20 bis 40 Jahre alt, 165 bis 170 cm groß. Der Mann hatte rund 40 Zentimeter lange, gewellte, dunkelblonde Haare, ein schmales Gesicht, eine schlanke Figur und hatte ein rund fünf bis sechs Zentimeter großes, möglicherweise selbst gestochenes Tattoo (Spinne) auf dem rechten Oberarm im Schulterbereich.

Polizei sucht Mann mit Schubkarre – ist er der Täter?

Im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt sucht die Polizei zudem einen älteren Mann, der 1995 – einige Monate vor dem Fund der Leichenteile und unweit des späteren Fundortes – mit einer Schubkarre und blauen Müllsäcken gesehen worden war. Er könnte heute zwischen 70 und 80 Jahren alt sein, ist etwa 1,70 Meter groß, hat ein "osteuropäisches Aussehen". Damals trug er die hellen, blonden kurz geschnittenen Haare gescheitelt. Er hat ein rundliches Gesicht und war damals mit einer Stoffhose und einem Sakko bekleidet.

Einige Jahre nach dem Fund des Skeletts hatte eine Zeugin den gesuchten Mann in der Nähe des Elbe-Einkaufszentrums erneut gesehen. Laut Polizei besteht die Möglichkeit, dass er "Bezug zur Gegend um das Einkaufszentrum" hat. Polizeisprecherin Heike Uhde: "Zeugen, die Angaben zu dem Getöteten machen können oder Hinweise auf den Mann mit der Schubkarre geben können, werden gebeten, sich unter der Hinweisnummer 040/ 4286- 56789 der Polizei Hamburg zu melden."