Fall Timo Kraus

Polizei zieht ernüchterndes Fazit nach "Aktenzeichen XY"

Mehr als fünf Millionen Zuschauer sehen Zeugenaufruf zum vermissten HSV-Manager. Die Polizei geht nun von dem Schlimmsten aus.

Hamburg. Die Ungewissheit für die Familie, Freunde und Kollegen von Timo Kraus hält auch nach "Aktenzeichen XY... ungelöst" an. In der ZDF-Sendung wurde der Fall des vermissten HSV-Managers am Mittwochabend (5,16 Millionen Zuschauer/15,8 Prozent Marktanteil) zwar direkt zu Beginn behandelt, doch bis zum Ende warteten Redaktion und Polizei vergeblich auf neue Hinweise. Die Einschaltquote war allerdings für "XY"-Verhältnisse auch eher ein Wert unter Durchschnitt: Im Januar hatten noch 5,49 Millionen Zuschauer (16,4 Prozent) eingeschaltet.

Es habe zwar nach dem Zeugenaufruf einen Anruf im Fernsehstudio gegeben, dieser sei aber so inhaltsleer gewesen, dass man nicht von einem Hinweis sprechen könne, sagte am Donnerstag ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Harburg. Solange sich der Taxifahrer, in dessen Wagen Kraus am Abend des 7. Januar gestiegen sei, nicht offenbare, werde man bei der Suche nicht weiterkommen. Die Ermittlungsschritte seien erschöpft. "Nach allem, was wir wissen, müssen wir mutmaßen, dass Timo Kraus in der Elbe ertrunken ist“, sagte Polizeihauptkommissar Jan Krüger.

Tauchereinsätze ohne Ergebnis

Der Merchandising-Chef des Fußball-Bundesligisten hatte mit Kollegen in einem Restaurant Block Bräu an den Landungsbrücken gefeiert und soll anschließend von Mitarbeitern in ein Taxi gesetzt worden sein. In seinem Heimatort Buchholz in der Nordheide war der 44-Jährige aber nicht angekommen.

Die Ortung von Kraus' Handy am Tag seines Verschwindens hatte ergeben, dass er vermutlich zu den Landungsbrücken zurückkehrte. Ein Spürhund hatte drei Tage später in der Nähe der Landungsbrücken die Witterung des HSV-Mitarbeiters aufgenommen. Deshalb vermutet die Polizei, dass Kraus bei Nebel und Eisglätte von dem Ponton in die Elbe gestürzt sein könnte. Mehrere Suchaktionen - darunter ein Tauchereinsatz in der Elbe - blieben ohne Ergebnis.

Große öffentliche Anteilnahme

Die öffentliche Anteilnahme an dem Vermisstenfall bleibt groß, weshalb auch "XY"-Moderator Rudi Cerne der Aufruf in seiner Sendung ein großes Anliegen war. "Wenn Sie etwas wissen oder irgendetwas zum Schicksal von Timo Kraus sagen können, rufen Sie bitte bei der Polizei oder bei uns im Aufnahmestudio an – zögern Sie nicht", hatte Cerne in dem Live-Format gesagt. Auch auf der Facebook-Seite von "Aktenzeichen XY" fühlen die Menschen mit Kraus' Angehörigen – und reagieren größtenteils fassungslos ob der bislang erfolglosen Suche. "Das gibt es doch nicht", schrieb eine Userin.

Auch beim HSV beschäftigt der Fall Timo Kraus Mitarbeiter und Fans gleichermaßen. "Es lässt sich nicht leugnen, dass es wie ein bleierner Schatten über allem liegt. Mit der Situation umzugehen, ist für alle Beteiligten neu“, sagte Clubchef Heribert Bruchhagen bereits vor knapp drei Wochen. Seit dem Verschwinden des Merchandising-Leiters führt Kraus' Stellvertreter Sascha Steinbrück die Geschäfte. Darunter fiel auch die kürzlich abgehaltene "Merchandising Messe" im Volksparkstadion, die Kraus zuvor zwölf Jahre lang verantwortet hatte.

Die erste Suche nach Timo Kraus: