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Hamburgs Jazz-Papst Michael Naura gestorben

Der Jazzmusiker und Musikjournalist Michael Naura (NDR) ist gestorben

Der Jazzmusiker und Musikjournalist Michael Naura (NDR) ist gestorben

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz / picture alliance / dpa

Er leitete 26 Jahre die NDR Jazzredaktion. Michael Naura brachte sich das Klavierspielen selber bei. Intendant Marmor: Er war brillant.

Hamburg. Musikfans in Norddeutschland trauern um Michael Naura. Der langjährige Leiter der NDR Jazzredaktion verstarb am Montag im Alter von 82 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Hollbüllhuus bei Husum. Naura leitete von 1971 bis 1999 die Jazzredaktion. NDR-Intendant Lutz Marmor würdigte Naura am Dienstag als "brillant". "Von vielen als Jazz-Papst verehrt, hat Michael Naura im NDR unüberhörbare Akzente gesetzt. Er verantwortete die legendären NDR Jazzworkshops, kämpfte unermüdlich für 'seine' Musik und jazzte selbst am Klavier. Mit seinem Tod verliert der deutsche Jazz eines seiner Urgesteine.“

Naura wurde 1934 in Klaipeda geboren, dem früheren Memel. Seine Muttersprache war Litauisch, im Alter von sechs Jahren kam er nach Berlin, wo er an der FU Soziologie und Philosophie studierte. Außerdem besuchte er die Meisterschule für Grafik und Buchgewerbe. Das Klavierspielen brachte er sich selbst bei. Dem NDR war er als Mitarbeiter seit 1964 verbunden.

Naura spielte im Jazzkeller in den Hamburger Colonnaden

Naura spielte in zahlreichen Formationen, veröffentlichte Platten und schrieb Rezensionen für Tageszeitungen und Magazine. 1953, mit 19 Jahren, gründete er in Berlin das Michael-Naura-Quintett. 1956 zog er nach Hamburg um und spielte im Jazzkeller in den Colonnaden jahrelang sechs Nächte die Woche.

„Es war schlimmer als Bergbau, schlimmer als Untertage-Arbeit“,berichtete Naura einmal. Die Nächte in verqualmten Räumen vor alkoholisiertem Publikum forderten ihren Tribut. Von 1963 bis 1966 musste Naura pausieren. Die besten Jazzer Deutschlands taten sich zu einer Benefizvorstellung zusammen, um ihm zu helfen, die Kosten für die Behandlungen aufzubringen. Das hatte es in der deutschen Jazzgeschichte nie zuvor gegeben.

"Kaum ein Wort im Jazz besitzt mehr Gewicht"

1966 begegnet Naura dem Lyriker Peter Rühmkorf. Die Zusammenarbeit unter dem Stichwort „Jazz und Lyrik“ zeigte Früchte. Als Leiter der NDR-Jazzredaktion produzierte,organisierte, schrieb, sammelte er und machte weiterhin auch Musik. „Kaum ein kritisches Wort im Jazz (...) besitzt mehr Gewicht“, schrieb einmal die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

in Hollbüllhuus hatte er viele Jahre sein Zuhause, das fast an ein Museum erinnert. Bauernschränke, ausgefallene Hüte oder Gehstöcke trug der leidenschaftliche Sammler von Trödelmärkten zusammen. Neben dem Jazz widmete er sich dem Malen, er hatte sogar ein eigenes Atelier. Zu seinem 80. Geburtstag setzte er sich für den Fotografen noch ans Klavier und improvisierte.