Crowdfunding

Hamburger Comedy-Crew dreht Komödie mit Flüchtlingen

Darsteller Vahid Ghasemi (23) aus Afghanistan mit einem Crewmitgliedder Filmfirma

Darsteller Vahid Ghasemi (23) aus Afghanistan mit einem Crewmitgliedder Filmfirma

Foto: Alsterfilm

Zu ernst zum drüber Lachen? Nein, meinen die Filmemacher aus Hamburg. Finanzieren wollen sie das Flüchtlingsprojekt per Crowdfunding.

Hamburg. Den Irrungen und Wirrungen in deutschen Behörden eine komische Seite abgewinnen – das haben schon viele Filmemacher mehr oder weniger erfolgreich versucht. Das Ganze aus der Sicht von Flüchtlingen zu zeigen, ist schon eine ungewöhnlichere – und dabei sehr aktuelle – Perspektive.

Die Komödie „Das Studio und die Flüchtlinge“, ein Projekt der Hamburger Filmproduktionsfirma Alsterfilm, soll nicht im Behördenirrsinn steckenbleiben. Nicht weniger als einen unterhaltsamen Film über das Flüchtlingsdrama, den Clash der Kulturen, über Sprachbarrieren, Klischees und Vorurteile versprechen die Macher des Projekts, das über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden soll. Die Hauptdarsteller stehen bereits fest: fünf Flüchtlinge aus Afghanistan, die seit etwa einem Jahr in Hamburg auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten oder schon Asyl erhalten haben.

Travestiekünstlerin hat sich eine Rolle im Film gesichert

„Wir finden, das Thema ist nicht zu ernst für eine Komödie“, sagt Holger Kreymeier, Geschäftsführer von Alsterfilm. Mit seinem zehnköpfigen Team produziert der Hamburger seit drei Jahren die Web-Comedy-Serie „Das Studio“. Nun wagen sie sich zum ersten Mal an einen Spielfilm. „Das Thema Flüchtlinge ist zu komplex, um es mal eben in einem Acht-Minuten-Clip abzuhandeln“, sagt Kreymeier. „Deshalb wollen wir einen richtigen Film daraus machen. Das ist natürlich eine ganz neue Herausforderung.“

Damit aus der Idee tatsächlich ein Film werden kann, braucht Alsterfilm mindestens 15.000 Euro. Das Geld soll über eine Kampagne auf dem Crowdfunding-Portal Startnext zusammenkommen – mit Erfolg: Nach rund einer Woche war die Zielmarke bereits übertroffen. Bis Dienstagmittag hatten 155 Unterstützer insgesamt 15.873 Euro zugesagt. Zu den „Studio“-Fans, die das Projekt verwirklicht sehen wollen, zählt laut Kreymeier auch eine Travestiekünstlerin. Sie hat sich mit einer Spende von 250 Euro eine Rolle in dem Film gesichert. „Das wird sicher ein besonderer Spaß, die Flüchtlinge mit ihr zusammenzubringen.“

Darsteller konnte in Afghanistan nicht Schauspieler werden

Für die Vorstellung des Projekts hat das Team einige Testszenen gedreht. Sie zeigen zum Beispiel, wie die jungen Afghanen erstaunt feststellen, dass die Deutschen ja tatsächlich so humorlos seien, wie immer behauptet. Ihr Fazit: „In Kabul gab es mehr zu lachen.“ Die Darsteller haben teilweise schon Erfahrung im künstlerischen Bereich. Schauspieler zu werden, sei schon lange sein Traum, sagt Same Karimi, der in Afghanistan als Schneider gearbeitet hat. „Ich will die Leute zum Lachen bringen.“

Bei der Suche nach passenden Darstellern habe ihm ein befreundeter Filmregisseur geholfen, sagt Holger Kreymeier. Im Gegenzug unterstützt die Produktionsfirma Mojtaba Rajabzadeh dabei, einen Kurzfilm zu drehen. „Darin soll es um das Ansehen von Frauen im Iran, aber auch in der europäischen Gesellschaft gehen“, sagt der im Iran geborerene Regisseur, der den Kurzfilm „Stilles Schweigen“ auf Festivals vorstellen will.

Die Komödie von Alsterfilm soll per BluRay und DVD verbreitet werden, außerdem wird sie später im Internet zu sehen sein. Da die Finanzierung nun gesichert ist, soll auch das Drehbuch in Kürze fertig sein. Die Geschichte dreht sich um die Ereignisse in einem schlecht laufenden Filmstudio. Um Geld reinzubekommen, will der Chef den Raum als Unterkunft für Flüchtlinge vermieten. Doch das neue Geschäftsmodell hat unerwartete Folgen. Als dann auch noch Aktivisten einer rechten Bewegung namens „Hagebut“ (Hamburg gegen Burka und Terroristen) ins Geschehen eingreift, wird es vollends chaotisch.

Unterstützer können bis zum 23. Oktober spenden

Die Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, die von der Initiative RefugeesWelcome unterstützt wird, läuft noch bis zum 23. Oktober. Wer das Projekt mitfinanzieren will, kann zwischen zehn und 250 Euro zahlen und bekommt dafür zum Beispiel den fertigen Film auf DVD oder BluRay, ein Original-Drehbuch, eine Einladung zur Premierenfeier oder eben eine kleine Rolle im Film.