Hamburger Erfolgsserie

Ein Oscar-Gewinner für „Notruf Hafenkante“

Polizistin Franzi (Rhea Harder-Vennewald)
nimmt den Komplizen (Jörn Schlönvoigt) eines Drogendealers in Gewahrsam

Polizistin Franzi (Rhea Harder-Vennewald) nimmt den Komplizen (Jörn Schlönvoigt) eines Drogendealers in Gewahrsam

Foto: ZDF und Boris Laewen

Dustin Loose, Gewinner der Studenten-Variante des Hollywood-Preises, hat zwei Folgen für Hamburgs Erfolgsserie gedreht.

Hamburg.  „Notruf Hafenkante“ erzählt Polizeigeschichten und macht mit attraktiven Bildern Werbung für den Schauplatz Hamburg. Seit 2007 sorgen die Beamten vom PK 21 für Recht und Ordnung an Alster und Elbe und bilden damit das polizeiliche ZDF-Gegengewicht zum ARD-„Großstadtrevier“. Morgen beginnt die elfte Staffel der Serie mit der Folge „In Hamburg essen sie Hunde“, dem Auftakt einer Trilogie zum Thema Crystal Meth. Später steigt auch ein neuer Regisseur in die Serie ein. Dustin Loose hat die Folgen „Die Abrechnung“ und „Fremder Vater“ inszeniert. Der 1986 in Bonn geborene und in Berlin lebende Filmemacher schnuppert erstmals Fernsehluft. Im vergangenen Jahr hat er mit seinem Kurzfilm „Erledigung einer Sache“ den Studenten-Oscar gewonnen.

Wie ist es, wenn man als Neuling seine erste Arbeit im ­Haifischbecken Polizeiserie annimmt?

Dustin Loose: Man hört während des Studiums viel darüber, wie hart der Markt da draußen ist, aber die positive Erfahrung, die ich mit „Notruf Hafenkante“ machen konnte, stimmt mich auf jeden Fall optimistisch.

Da trifft man als Nachwuchsregisseur auf ein eingespieltes Ensemble, das über die Charaktere viel mehr weiß als man selbst. Trotzdem soll man die Schauspieler führen. Wie geht das?

Darüber habe ich mir tatsächlich viele Gedanken gemacht. Aber ich konnte einige Schauspieler vorab treffen. Ich habe mich entschieden, ihnen und ihrer Interpretation der Charaktere zu vertrauen. Das haben sie mir total zurückgegeben, denn sie haben sich auch auf die Vorschläge eingelassen, die ich von außen eingebracht habe.

Woher wussten Sie, was Sie mit ihnen machen konnten – und was nicht?

Es gibt bei solchen Serien sogenannte Bibeln. Darin ist bis rückwirkend zur ersten Folge alles notiert, was mit diesen Charakteren passiert ist. Natürlich habe ich mir auch viele Folgen angeschaut, um zu sehen, wie sie agieren und interagieren. Ich war zwar gut vorbereitet, hatte trotzdem ein bisschen Bammel, wurde aber auch vom Team trotz des engen Zeitrahmens selber gut geführt. Trotzdem konnte ich Sachen ausprobieren. Die Freiheit, die man mir gegeben hat, hat mich überrascht.

Können Sie das mal an einem Beispiel ­erläutern?

Viel darf ich nicht verraten, aber es geht in einer Folge um eine Geiselnahme mit einer Bombe. Es wird viel über den Bombenbastler gesprochen. Aber nie hat man den Eindruck, dass er die Macht hat, die Tat auch durchzuführen. Ich wollte, dass man sieht, wozu dieser Mann fähig ist. Man sagte mir, ich könnte unter den gegebenen Produktionsbedingungen keine großen Explosionen herstellen, das koste zu viel Zeit und Geld. Ich konnte mich dann aber mit meinen Argumenten durchsetzen.

Kannten Sie Hamburg vorher schon?

Nein. Aber die Serie hat einen Location Scout, der sich unheimlich gut auskennt und gefühlt für jedes Schloss in der Stadt einen Schlüssel hat. Ich habe durch ihn so viele Ecken gesehen, die ich auch als langfristiger Tourist niemals hätte entdecken können. Vorher hatte ich die Sorge, wie ich in einer Stadt, die ich nicht kannte, authentisch erzählen sollte.

Sie kamen gerade vom Olymp des Studenten-Oscars und landeten im bundesdeutschen TV-Alltag. War das schwierig?

Das muss man relativieren. Studio Hamburg und Produktionschef Michael Lehmann sind in der Nachwuchsarbeit enorm engagiert und haben viel Vertrauen in junge Regisseure. Das ist für sie natürlich auch ein Risiko, weil man frisch von der Filmhochschule kommt und noch nicht miteinander gearbeitet hat. Der Oscar ist eine Marke und weckt Vertrauen. Das hilft auch bei eigenen Filmprojekten, die so eine ganz andere Vorlaufzeit bekommen. Die Serie war für mich eine Gelegenheit, Erfahrungen zu machen. Und ich durfte zwei Monate an der Außenalster wohnen, das ist auch nicht zu unterschätzen.

Hat der Oscar einen Einfluss auf Ihr erstes Spielfilmprojekt?

Das wird sich noch zeigen müssen. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass man einem genauer zuhört. Ich habe an der Filmhochschule mit vielen talentierten Kommilitonen gearbeitet, die den Oscar nicht gewonnen haben. Da frage ich mich schon, ob man mir auch so vertrauen würde, wenn ich diese Auszeichnung nicht hätte. Man sollte uns mehr zuhören. Wir haben Ideen für die Zukunft, und wir können das.

Worum wird es in Ihrem Kinofilm „Bosporus-Brüder“ gehen?

Es soll ein Roadmovie werden. Zwei junge Männer reisen in Südosteuropa einem verstorbenen dritten hinterher, um herauszufinden, was passiert ist.

Sie haben auch das Drehbuch geschrieben?

Weil ich viel mit dieser Geschichte gemein habe. Eigentlich bin ich aber Filmemacher. Mit Studio Hamburg bin ich im Gespräch über weitere Projekte. Sobald ich eine Chance bekomme, bin ich wieder da.

„Notruf Hafenkante: In Hamburg essen sie Hunde“ Do 15.9., 19.25, ZDF

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