Kino

Ein neuer Film als Hommage an die Stadt Hamburg

Regisseur und Studenten-Oscargewinner Ilker Çatak bei den Dreharbeiten zu „Es war einmal Indianerland“ am Hamburger Stadtrand

Foto: Andreas Schlieter

Regisseur und Studenten-Oscargewinner Ilker Çatak bei den Dreharbeiten zu „Es war einmal Indianerland“ am Hamburger Stadtrand

Der junge Regisseur Ilker Çatak verfilmt den Roman "Es war einmal Indianerland" des Autors Nils Mohl. Gedreht wird in Hamburg.

Bei den Karl-May-Spielen in Bad ­Segeberg wird noch nach dem "Schatz im Silbersee" gesucht. Eine gewisse Schatzgräberstimmung kann man aber auch bei Ilker Çatak und seinem Team spüren. Sie verfilmen zurzeit den ­Roman "Es war einmal Indianerland" des Hamburger Autors Nils Mohl. Für den Regisseur ist es sein Spielfilmdebüt. Für seine Kurzfilme "Wo wir sind" und "Sadakat" war der Absolvent der Hamburg Media School für den Studenten-Oscar nominiert, und hat ihn für "Sadakat" sogar gewonnen, dazu im selben Jahr den Max-Ophüls-Preis.

Eine Hamburger Sommergeschichte

Umbaupause am Drehort an der Autobahnbrücke der A 1 in der Nähe vom Rotenbrückenweg in Billstedt. Das Licht wird aufgebaut, Laternen müssen abgehängt, Generatoren aufgebaut werden, es ist sehr laut. Außerdem herrscht Hamburger Sommer, ständig gehen Schauer nieder. Und der Regisseur? Mitten im Getümmel? Nein, er sitzt gemütlich zu Hause in Wandsbek auf dem Sofa und trinkt türkischen Mokka.

"Man kann sich hier sehr schön ­fokussieren und hat eine gute Nacht­ruhe", erklärt Çatak. Seine Ausgeglichenheit ist seiner Frau unheimlich: "Du gehst ja durch dieses große Projekt ohne Sinnkrisen", staunt sie. Für die Dauer der Dreharbeiten hat er auch noch seinen Kameramann Florian Mag bei sich aufgenommen. Später müssen sie zurück ans Set.

Zwei Jahre lang haben die Vorbereitungen gedauert. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat das Projekt unterstützt. Ilker Çatak ist froh, dass es nun wirklich losgeht: "Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Am Set entsteht Magie, und auf die sind wir aus."

Mit dabei: Emilia Schüle und Clemens Schick

Der Roman erzählt eine Sommergeschichte vom Hamburger Stadtrand. Der Teenager Mauser verliebt sich in ­Jackie, die junge Edda steht trotzdem auf ihn. Mausers Vater Zöllner erwürgt seine Ehefrau Laura. Und ständig fühlt sich Mauser zudem noch von einem ­Indianer verfolgt. Vor der Kamera stehen unter anderem Leonard Scheicher, Emilia Schüle, Joel Basman, Johanna Polley, Clemens Schick und Robert Alan ­Packard.

"Ich habe diesen Film auch deshalb angepackt, weil es ein ungewöhnlicher und ziemlich verrückter Stoff ist. So ­etwas ist sehr rar", sagt der Regisseur. "Dieser Film muss werden wie ein wilder Trip. Damit meine ich nicht nur die physische Reise, sondern auch die psychedelische. Die sollte man auch nicht kontrollieren wollen."

Regisseur und Autor planen neues Projekt

Çatak glaubt, dass es auf einen Genre-Mix hinauslaufen wird: Boxerfilm, Roadmovie, Western und Musikvideo. Die Musik stammt von Acid Pauli, ehemaliges Mitglied der Band The Notwist. Die Bilder sollen am Ende stark stilisiert sein. "Ich versuche, daraus etwas Mystisches zu machen. Aber natürlich soll es Spaß bringen. Der Film ist auch eine Hommage an die Stadt Hamburg."

"Indianerland" ist eine Literaturverfilmung, es wird gegenüber der Vorlage also Auslassungen, Änderungen, Ergänzungen geben. Literaturkritiker rümpfen über solche Werke gern mal die Nase. Çatak ficht das nicht an, er hat den Segen des Autors. "Nils Mohl hat mich sehr ermutigt, liberal mit seinem Text umzugehen. Er selbst hat mit Max Reinhold das Drehbuch geschrieben. ­Jede Adaption ist eine Interpretation."

Mohl ist bei den Dreharbeiten oft dabei. Zum Beispiel steht er am Tag dieses Telefonanrufs am Lütjensee, hinter ihm ein Boot mit einem Indianer drin, erzählt er. "Es war ein echter Glücks­moment, als Ilker zu dem Film gekommen ist, ich bin darüber sehr glücklich", sagt Mohl. Beim Drehbuchschreiben habe er seinen eigenen Stoff noch einmal ganz neu kennengelernt. "Es ist, als könnte man in das Gehirn des Autors gucken, fast wie im Film ,Alles steht Kopf'", sagt er.

Mohl und Çatak scheinen sich gut zu verstehen, denn sie haben sich schon für ein neues Projekt verabredet, für das sie gemeinsam das Drehbuch schreiben wollen. Übrigens ist bei "Indianerland" nicht nur der Regisseur hochdekoriert, Mohls Roman hat unter anderem den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Er ist der Auftakt zur "Stadtrand"-Trilogie, die mit den weiteren ­Büchern "Stadtrandritter" und "Zeit für Astronauten" mittlerweile abgeschlossen ist.

Ein Erwachsenenfilm für Jugendliche

Dem Genre Jugendbuch fühlt sich der Regisseur allerdings nicht verpflichtet. "Ich will einen Erwachsenenfilm dar­aus machen, der Jugendlichen einen neuen Horizont eröffnet." Sein Produzent Michael Eckelt von der Hamburger Riva Film gibt ihm Rückhalt. Als Çatak ihn nach dem anzustrebenden Einspielergebnis fragte, antwortete der nur: "Mach deinen Film!"

Çatak steht mit 32 Jahren gelassen und selbstbewusst vor einer großen Her­ausforderung. Nur über seine jetzt etwas größere "Manege" wundert er sich manchmal noch. "Ich komme vom Guerilla-Filmemachen. Jetzt bin ich mit einem Team von 50 bis 60 Leuten im Dinosaurierformat unterwegs. Aber ich mag diesen Zirkus. Es ist schon ganz schön, nach den Sternen zu greifen."

Die Dreharbeiten laufen noch bis Ende August. "Es war einmal Indianerland" soll im kommenden Jahr in die ­Kinos kommen.

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