ARD-Krimi

"Tatort"-Koordinator leidet unter Rohdes Dauerpräsenz

Schauspieler Armin Rohde als "Tatort"-Bösewicht Ralf Trimborn in der WDR-Episode "Dicker als Wasser"

Schauspieler Armin Rohde als "Tatort"-Bösewicht Ralf Trimborn in der WDR-Episode "Dicker als Wasser"

Foto: WDR/Uwe Stratmann

Gebhard Henke spricht über die Absichten von Til Schweiger und Jan Josef Liefers, wiederkehrende Schauspieler und den 1000. Fall.

Köln. Gebhard Henke ist der ARD-„Tatort“-Koordinator. Im Interview mit Christoph Driessen (dpa) erklärt er zum Beispiel, warum manche Schauspieler so oft in der Reihe zu sehen sind.

Frage: Ist der „Tatort“ das neue „Wetten, dass..?“

Gebhard Henke: Es ist jedenfalls eine Sendung, von der man sagen kann, dass das Volk sie am Lagerfeuer guckt. Und über die man dann am nächsten Morgen spricht und streitet. Das ist Kitt für die Gesellschaft. Und wenn Sie mich jetzt fragen, warum das so ist, dann muss ich Ihnen sagen: Weiß ich nicht.

Wenn es nur nicht so viele verschiedene Ermittlerteams wären.

Henke: Ach, das merken eigentlich immer nur Journalisten und Kritiker an. Ich habe noch nie erlebt, dass das Zuschauer sagen.

Doch, viele sagen zum Beispiel: „Münster sollte öfter kommen.“

Henke: Das ist ein bisschen wie das Kind, das immer nur Nachtisch essen will. Aber davon kriegt man Bauchschmerzen. Schauspieler wie Til Schweiger oder Jan Josef Liefers wollen außerdem gar nicht mehr als zwei „Tatorte“ im Jahr machen.

Die anderen Darsteller sieht man dafür umso öfter: Armin Rohde zum Beispiel. Und Uwe Bohm sogar zwei Wochen hintereinander, einmal am Bodensee, dann in Leipzig.

Henke: Ja, ich leide da auch. Aber auch hier gilt: Die Zuschauer stört's nicht.

Wäre das denn nicht eine Aufgabe für Sie als ARD- „Tatort“-Koordinator?

Henke: Das zu kontrollieren, ist sehr schwierig. Die Rollen werden oft sehr kurzfristig besetzt. Und es gibt ja keine Zentralredaktion, sondern jede ARD-Anstalt organisiert das selber.

Der 950. „Tatort“, wird der etwas Besonderes?

Henke: Nein, das wird ein ganz normaler. Das macht einfach der, den's trifft, und das ist der ORF. Titel: „Gier“.

Und der 1000.?

Henke: Den 1000. werden wir natürlich feiern, da ist bereits ein Team ausgeguckt worden, das das Jubiläum bestreitet, da werden wir uns auch konzeptionell was überlegen, aber Einzelheiten darf ich noch nicht verraten. Der genaue Zeitpunkt steht auch noch nicht fest, es gibt ja zwischendurch Feiertage, Polizeirufe und so weiter. Die Zählung ist nicht einfach. Aber irgendwann im Herbst 2016.

Zur Person: Gebhard Henke (60) ist Fernsehspielchef des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und „Tatort“-Koordinator der ARD. Der gebürtige Holzmindener studierte in Berlin Germanistik und Geschichte und arbeitete dann als Literaturkritiker. 1984 kam er nach Köln zum WDR. 1998 übernahm er die Programmgruppe Fernsehspiel. Seit 2001 ist Henke auch Professor an der Kunsthochschule für Medien Köln.