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Die neue Tagesschau spaltet die Hamburger

Die Auswertung der Umfrage bei abendblatt.de ergibt kein einheitliches Bild. Können die Tagesschau-Verantwortlichen noch nachbessern?

Hamburg. Es ist eine hauchdüne Mehrheit von 42 zu 40 Prozent. Und bei 1000 Menschen, die von Montagmorgen bis zum späten Nachmittag bei abendblatt.de über die neue Tagesschau abgestimmt haben, ist zwar demoskopisch-technisch kein repräsentatives Meinungsbild entstanden. Aber die Tendenz zeigt: Während es eine leichte Mehrheit von Bürgern gibt, denen die neue Tagesschau im Ersten insgesamt zu gefallen scheint, sehen 18 Prozent Positives wie Negatives.

Auch die Webseite tagesschau.de zeigt positive wie negative Resonanz. Die ARD und der NDR gehen recht offen mit den Zuschauerreaktionen um. Die üblichen Hetz-Kritiker und Jubel-Perser sind ja ohnehin von ernst zu nehmender Reflexion ausgenommen. So ergibt sich ein diffuses Bild. Die neue Fanfare klingt für manche gewöhnungsbedürftig, die Schriften ebenso. Manche fragen nach dem Sinn der knapp 24 Millionen Euro teuren Innovation in Hamburg-Lokstedt.

Gelobt wird, dass sich überhaupt etwas regt bei Deutschlands bekanntester und offensichtlich noch immer überaus populärer Nachrichtensendung, dem vorgeblichen Hochamt des deutschen TV-Journalismus.

9,28 Millionen Zuschauer (38,9 Prozent Marktanteil) sollen die Tagesschau bei ihrer Reform-Premiere am Sonnabend gesehen haben, verkündete der NDR. Das schloss aber auch die Dritten, 3Sat und Phoenix mit ein. Denn laut GfK waren es nur 6,21 Millionen und 26,0 Prozent Marktanteil in der ARD. Am Sonntag, einen Tag darauf, musste die Tagesschau den Spitzenplatz für das ZDF und Inga Lindström räumen.

Experten sehen es als keineswegs ausgeschlossen an, dass die ohnehin um Jahre verspätete Premiere des neuen Studios nur eine Art „soft launch“ war. Denn kleine Änderungen an der Musik, den Schriften, Grafiken und Einstellungen sind kaum merkbar im laufenden Betrieb möglich.