TV-Kritik

Priol und Pelzig scheiden ohne Reue aus der „Anstalt“

Die Kabarettisten Urban Priol und Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser verabschiedeten sich in einer satirischen Sternstunde aus der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“. Das Publikum spendete stehend Applaus.

Zum Abschluss war einiges anders und doch wohlvertraut. Nicht etwa Anstalts-Leiter Urban Priol, sondern sein Öffentlichkeitsarbeiter Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser begrüßte die Zuschauer aus der psychiatrischen Fernsehkiinik. Die letzte Folge der populären ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ brachte nicht nur ein Wiedersehen mit aktuellen und ehemaligen Anstalts-Insassen, sondern der deutschen Fernsehsatire auch eine Sternstunde von diesmal gleich 70 Minuten, wie sie live seit Dieter Hildebrandts legendärem Abschied vom ARD-“Scheibenwischer“ 2003 im Berliner Tipi-Zelt am Kanzleramt nicht zu sehen war. Das Publikum in den Münchner Arri-Studios, darunter ZDF-Intendant Thomas Bellut, spendete am Ende stehend Applaus, und zwei Besucher erwiesen den Gastgebern auf bedruckten Sweatshirts ihre Reverenz; "Dank für 62 Sendungen."

Zwei Bundeskanzler, zwei Päpste, zwei Atomunfälle, drei SPD-Vorsitzende und „8,5 verloren gegangene Doktortitel - der halbe ist der Steinmeier -“, bilanzierte Pelzig nach sieben Anstalts-Jahren inmitten von Umzugskartons und Koffern. Einmal mehr erwies sich die Idee, die Figuren und die Sendekulisse stets in einer Irrenanstalt anzusiedeln, als belebendes, teilweise auch anachischs Element. Anders als in fast allen anderen Kabarettsendungen hierzulande folgte auch beim Anstalts-Ende kein schnöder Wechsel zwischen Auftritt und Abgang, unterbrochen von Moderation. Es entwickelten sich stattdessen launige Szenen mit Dialogen und Monologen.

Auftritte von Pispers und Malmsheimer

Jochen Malmsheimer (als Hausmeister) und Georg Schramm (als reaktivierter Patientensprecher und Rentner Dombrowski) übten sich in shakespearschen Versen, räsonierten über deutsche Einrichtungssünden und ein Bankensystem, das denen von Drogendealern ähnelt. Volker Pispers erklärte Angela Merkels typische Rautengeste zum „Hypnose-Dreieck der Macht“, Und Max Uthoff attestierte Ministerpräsident Horst Seehofer die „Virilität eines bekifften Hamsters“ mit „Ideen-Tourette“. Richtig schön böse war der tierische Rundumschlag des „Hausjuristen“ über Bayern, Deutschland und die Welt, mit dem sich Uthoff schon mal für die ZDF-Nachfolgesendung „Die Anstalt“ (Sendestart: 4. Februar 2014) einschoss. „Ich sehe eine große Zukunft auf Sie zukommen“, spielte Priol süffisant auf dessen neue Gastgeberrolle an.

Die letzten Minuten aber gehörten Priol, der „Neues aus der Anstalt“ 2007 mit Schramm initiert hatte, und seinem Partner Pelzig. Nach dem Austausch von Abschiedsgeschenken - weißer Kittel gegen rot-weißes Karohemd - sowie grauen Hausmeisterkitteln von Malmsheimer als Zugabe verließen beide die Anstalt. „Ich bereue nichts“, sagte Priol. „Ich bereue auch nichts“, entgegnete Pelzig. Kein Blick zurück im Zorn, sondern ein ganz starker Abgang nach einem Erfolgskapitel der jüngeren deutschen Fernsehgeschichte mit durchschnittlich drei Millionen Zuschauern. Den Schnitt bestätigten die Kabarettisten auch mit ihrem letzten Auftritt: Am Dienstag schalteten noch einmal 3,01 Millionen Zuschauer (17,1 Prozent Marktanteil) „Neues aus der Anstalt“ ein.