ARD-Talkshow

Bei Anne Will: Rassismusvorwurf gegen Barbara Scheel

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Die Frau des Ex-Bundespräsidenten Walter Scheel fiel durch unüberlegte Wortwahl auf. Ihr wurde daraufhin Rassismus vorgeworfen.

Hamburg. Eigentlich wollte Barbara Scheel in der ARD-Talkshow "Anne Will" mit den anderen Gästen über die problematische Situation der Altenpflege in Deutschland diskutieren.

Durch ungeschickte Wortwahl geriet die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel allerdings ins Schleudern und sieht sich nun Rassismusvorwürfen ausgesetzt.

Während der Diskussion am Mittwochabend über den Respekt von Pflegern gegenüber den Bewohnern von Altenheimen merkte Scheel an: "Die Pflegekräfte sind, was das Menschliche anbelangt, teilweise katastrophal ausgebildet." Etwas missverständlich waren dann ihre weiteren Ausführungen: "In dem Pflegeheim, von dem ich rede, ist jeder zweite Pfleger ein Ausländer und spricht kaum Deutsch. Wir haben einen schwarzen Afrikaner, so wie ich ein weißer Europäer bin. Und wir haben 90-jährige Frauen, die sollen sich intim von so einem Menschen pflegen lassen. Die haben erst einmal einen Schock."

Der aufgebrachte Talkshow-Gast und Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf unterbricht Scheel sofort: "Moment mal, haben Sie das gerade gesagt, dass es schwierig ist, wenn ein schwarzer Afrikaner jemanden pflegt?". "Ja", bestätigt Scheel in der hitzigen Atmosphäre.

Während Heufer-Umlauf Scheel weiter attackiert, wirft auch Moderatorin Anne Will Scheel Rassismus vor, gibt ihr dann aber die Chance, für Klarheit zu sorgen und ihre unglückliche Aussage zu revidieren. "Würden sie das möglicherweise korrigieren, weil das tatsächlich einen leicht rassistischen Unterton hat?"

"Ja, selbstverständlich" antwortet die in Missgunst geratene Gattin des Bundespräsidenten a. D., "der Junge ist übrigens ein ganz reizender Junge, ein ganz reizender Pfleger." "Ja, er ist ein ganz netter Neger", kann sich Heufer-Umlauf einen provokanten Kommentar nicht verkneifen, um zu erklären, wie Scheels Äußerungen für ihn wirken.

Erst als Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband das Thema auf die Verantwortung des Gesetzgebers lenkt, kann Barbara Scheel wieder durchatmen. Der Rest der Sendung lief dann wieder in geordneteren und sachlicheren Bahnen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.