TV-Comedy

Anna Schäfer: Hamburger "Knallerfrau"

Der Hamburger Schauspielerin Anna Schäfer gelang der Sprung in die Fernseh-Comedy. Sie ist Partnerin der "Knallerfrau" Martina Hill.

Hamburg. Möglicherweise ist er das i-Tüpfelchen in Anna Schäfers Comedy-Karriere: der lange Kuss von Martina Hill in der Sat.1-Reihe „Knallerfrauen“. Er besiegelt ihre tolle Partnerschaft als verschworenes Spaßschwesternduo. Das „besondere Bonbon“ bekommt die Hamburger Schauspielerin von der lustigsten Frau des deutschen Fernsehens im Sketch bei einem Hustenanfall. Statt des Salbeizuckerls ein süßer Knutschüberfall. Die junge Frau ist perplex und der Zuschauer lacht.

„Ursprünglich war die Szene anders geschrieben, aber beim Probieren haben wir die Rollen kurzerhand umgedreht, und so war ich die Geküsste“, erzählt Anna Schäfer belustigt. Sie ist Partnerin der Comedy-„Knallerfrau“ und eine künstlerische Grenzgängerin ohne Schwellenängste: Sie singt und tanzt, sie spielt Musical und Shakespeare, macht Kabarett und Comedy. „Anything goes“ gilt für die Schauspielerin, solange sie sich dabei wohlfühlen und ihr Können zeigen kann.

„Ich habe viel gelernt von Martina“, sagt Schäfer. „Beim Comedy-Spielen muss man rasch den On-Schalter finden: Jetzt bin ich da, wach, schnell im Kopf und mit meiner Intuition.“ Beim Theaterspielen oder Filmen bleibt Zeit, eine Rolle zu entwickeln, doch auch in einem Sketch sollte eine Figur stimmig und präsent sein. „Das macht Martina und mir beim Spielen großen Spaß. Wir wollten nicht nur Abziehbilder von Figuren skizzieren, sondern glaubwürdige Menschen in realen Situationen. Damit der Zuschauer auch nicht gleich weiß, in welche Richtung die Szene läuft.“ Ein gutes Beispiel ist der Gymnastikkurs, der in ein absurdes animalisches Doggy-Spiel mit Biss in die knackige Trainerwade umkippt.

Das Theaterkind Schäfer hat schon einiges an Erfahrung auf verschiedenen Bühnen und vor der Kamera in petto. Die Tochter der Schauspieler Roland Schäfer und Angelika Thomas, einer langjährigen bekannten Protagonistin im Ensemble des Thalia-Theaters, wurde an der Stage-School und der Musikhochschule ausgebildet, gab 1997 ihr Bühnendebüt an den Hamburger Kammerspielen als Lilian Holliday in „Happy End“ von Brecht/Weill. Davor noch hat sie Regisseur Kai Wessel in „Alles außer Mord“ besetzt und der Anfängerin den Weg in Film und Fernsehen gebahnt. Schäfer hat Erfolge im Kino („Mikado“, „Trabanten“), Musical („Anything Goes“, „The Black Rider“, „Nico – Sphinx aus Eis“) und Theater („Wie es euch gefällt“, „Hamburger Jedermann“) vorzuweisen. Aber eben auch im Kabarett. Mit ihrem Mann, dem Pianisten Jochen Kilian, und dem Kabarettisten Michael Frowin brachte sie auf dem Hamburger Theaterschiff den Dauerbrenner „Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr“ heraus. Dort sang sie übrigens auch mit ihrer Mutter Matrosenlieder und tritt mit den DramaQueens auf. „Das hat mich sehr gut auf das Comedy-Spielen vorbereitet.“ In der neuen Besetzung sind sie ein freches, flottes und frivoles „Annen-Trio“, die Anna Schäfer, Anna Piechotta und Anne Simmering. „Mein Mann begleitet uns nicht mehr, jetzt ist alles in Frauenhand und stimmt genau.“

Anna Schäfer sieht sich nicht als neues Comedy-Gesicht. „Ich mache das gern, kann es auch, aber die Frontfrau ist Martina.“ Schäfers Leidenschaft gilt nach wie vor dem Singen und ernsteren Rollen im Film. „Mein Weg und Ziel ist es, eine Figur emotional und psychologisch fein vor der Kamera zu entwickeln und darzustellen.“ Deshalb will sie aber die Comedy und die „Knallerfrauen“ nicht lassen, ebenso wenig die DramaQueens. Sie hält die Komödie für die Krone der Kunst und zitiert Franca Rame, die Partnerin von Dario Fo: „Beim Lachen öffnet sich nicht nur der Mund, sondern auch das Gehirn.“ Stimmt für die DramaQueens wie für die „Knallerfrauen“. Will man lachen können, muss man intelligent, scharf und offen sein.

„Knallerfrauen “ heute, 23.05, Sat.1; „Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr“ 18.3., 20.00; DramaQueens: „Versprochen! – Update 2011“ 31.3. u. 1.4., 19.30, Das Schiff, Karten unter T.69 65 05 60; www.theaterschifff.de

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